🇲🇦 2015 Marokko – Tag 4 – Taroudant / Legzira (Sidi Ifni)

Gegen 0700 wachten wir wieder auf und packt zügig unsere Sachen. Das Hotel hatten wir schon am Vorabend bezahlt um früh schneller wegzukommen das hat zwar generell den Nachteil, daß man halt schon vorher bezahlt aber auch den Vorteil des schnellen Abzuges, weil oftmals 0800 erstmal gar nichts geht im Hotel und die passenden Leute erst gefunden werden müssen.

So brauch man nur den Schlüssel stecken zu lassen und abzuhauen. Der Parkplatzwächter bekam 20 Dh und wir verließen diesen Ort. In Taroudant ist noch vieles echt provinziell und als Tourist ist man dort auffällig. Allerdings ist die Medina ein krasser Gegensatz zu Marrakesch, weil dort niemand aufdringlich ist und man in Ruhe irgendwelche Sachen ansehen kann. Ansonsten gibts da auch nichts zu sehen, aber irgendwo muss man auf dem Weg nach Legzira übernachten. Wir wählten die Strasse direkt nach Agadir um in dem seltsamen im Planet beschriebenen Laden Bier und Wein zu holen. Eine kleine Dose kostete 13 Dh. Ich wollte grad losfahren als mich so ein Parkplatzwächter um Geld erleichtern wollte. Erst wollte ich nicht bezahlen und einfach fahren.

Der Mensch war aber hartnäckig und eigentlich hatten wir ja einen guten Parkplatz direkt vor dem Geschäft, so daß ich ihm doch 5 Dh gab. Der Verkehr in Agadir war schrecklich und insgesamt war das zeitlich ein riesiger Umweg. In Agadir selbst gibt es rein gar nichts zu sehen. Die Straße in Richtung Tiznit war zu Beginn oft zweispurig, später nicht mehr und mit Baustellen durchbrochen, die anscheinend die vorangegangenen Schäden vom vorhergehenden Regen beseitigten. An einem kleinen Kreuzungskaff machten wir an einem Restaurant halt, setzten uns auf die Terasse und bestellten zwei Tajines. Ich eine mit irgenwas, was sich später als Rippchen von irgendwas herausstellte, M eine mit Rindfleisch. Dazu gabs wieder Tee und Salat. Das ganze kostete um die 70 Dh.

Direkt neben der Terasse wurde in einem Holzofen Brot gebacken. In einem Späti nebenan besorgte ich noch etwas Toilettenpapier, da es immer einen Mangel an Papier gab. Auf der weiteren Strecke fuhr ich immer mehr wie die Einheimischen und überholte Rücksichtslos auf Verkehrszeichen. In einer Baustelle überholte ich einen langsamen LKW, was vor uns auch schon einige Fahrzeuge getan hatten. Nach wenigen Minuten gerieten wir in eine Polizeikontrolle bei der wir rausgezogen wurden. Der wichtigere Typ sprach nur französisch, worauf wir ihm klarmachten nichts zu verstehen. Dann kam ein anderer Typ der englisch konnte. Der schleimige Bulle machte uns klar das wir im Überholverbot überholt hätten und deshalb 700 Dh fällig wären.

Wir protestierten und sagten, daß wir nichts getan hätten und auch kein Geld haben. Er wollte dafür den Führerschein behalten was natürlich auch nicht ging. Mürrisch bezahlten wir und ich stellte meinen Fahrstil auf die möglichst regelkonforme Weise um. Das geht übrigens überhaupt nicht, weil die Regeln oft unklar sind und man für andere ein Hindernis wird. Nach Papierkram konnten wir weiter. Diese Drecksbullen zocken einem 700 Dh für ein Vergehen ab, daß dort ständig gemacht wird und von keinem Einheimischen bezahlt werden kann. Der schleimige Bulle hatte auch gar kein Wechselgeld und wir wahren wohl die ersten des Tages die bluten mussten, wohingegen Einheimische mit ner Packung Datteln davonkommen oder so.

Ich dachte erst schon das wir Wegelagerei zum Opfer gefallen währen, allerdings hatte ich das Vergehen wirklich begangen, genau so wie jeder andere Einheimische das ständig tut weil sonst gar nichts mehr vorwärts gehen würde auf den nicht vorhandenen Strassen. Bis nach Tiznit war die Straße ohne große Veränderung, nur die Vegetation wurde immer spärlicher. In Tiznit deckte ich mich zur Sicherheit noch mal mit Bargeld vom Automaten ein, da ich nicht wusste ob es in Sidi Ifni einen Geldautomaten geben würde. 2011 war das meines Wissens nach jedenfalls nicht der Fall. Später habe ich dann einen gesehen. Das heisst aber natürlich nicht das der dann auch funktioniert hätte.

Die Strecke von Tiznit war schon etwas interessanter zu fahren, da sie als erstes kurvig durch kleinere Hügel führte und anschließend in Sichtweite zum Atlantik entlang durch von einem Gewächs rot gefärbte Landschaft hinweg. Wir machten kurzen Fotografiehalt in Mirleft, das irgendwie besonders sein soll. Später in Tafraoute saß jedenfalls ein Typ im Restaurant gegenüber von uns mit ner Mütze und der Aufschrift “Mirleft – Never Left”. Seit 2011 hat eine umfangreiche Bauaktivität oberhalb von Legzira stattgefunden, weshalb es für mich recht einfach war den Ort wiederzufinden.

Der Stein mit der blassen Aufschrift als Wegweiser zum Strand war verschwunden. Vorher stand aber noch ein neueres Schild, was ich auf die schnelle aber nicht ganz ausmachen konnte. Der Weg zu den Neubauten war geteert aber zum Strand hinunter war immer noch die alte Piste. Die Neubauten sollen wohl Ferienhäuser darstellen. Wenn da mal alles ausgebucht ist, dann hat es sich mit dem Strand gegessen. Wir stellten das Auto direkt hinter den Hotels ab und gingen rechts in das erste Hotel, was gleichzeitig das dritte von links ist. Der Hotelmensch wollte 400 Dh für ein Doppelzimmer haben. Wir wollten eines mit Terasse aber das gab es alles nicht so richtig. Bei diesem Hotel muss ein wirklich cleverer Mensch geplant haben um die Terassen wegzulassen.

Wir sagten das wir uns erst mal weiter umsehen und gingen. Links daneben war der Beach Club. Beide Hotels sahen übrigens komplett leer aus. Der Hotelmensch vom Beach Club zeigte uns einige Zimmer mit Terasse und wir entschieden uns für eines in der zweiten Etage. Die Terasse gehört zwar nicht zum Zimmer, grenzte aber direkt daran. Da wir sowieso allein im Hotel waren hatten wir die halt nur für uns. Das Zimmer ist wie alle Zimmer in Legzira Beach karg eingerichtet. Kleiner Raum, kleines Bad mit warmem Wasser, das aber nicht immer warm war, Bett, alter Schrank und eine Steckdose. Die Stromsituation hat sich zum letzten mal verbessert, indem immer Strom da war. Das hatte aber auch eine gewaltige negative Folge. Mit dem Abschalten des Generators hatte man einen wahnsinnig deutlich Sternhimmel.

Nun waren alle möglichen Terrassen und Häuser beleuchtet, was das schon mal komplett zerstört hat. Der Hotelmensch wollte erst 300 für das Zimmer haben. Wir handelten auf 250 herunter. Angesichts des fast gar nicht vorhandenen Komforts ein recht hoher Preis. Der Ausblick und die einsame Bucht ist das allerdings wert. Wir parkten das Auto nun direkt hinten an das Hotel so dass wir direkt über den Hintereingang rankamen und packten unsere Sachen aufs Zimmer. Zu der Zeit lag die Temperatur bei ca. 27 Grad. Was mir vorher schon aufgefallen war, war das das Meer bei Ebbe recht entfernt war. Ich hatte das so nicht in Erinnerung. Zu der Zeit war grad Ebbe mit dem tiefsten Pegel um 1900.

Die Wellen gingen in Höhe der Felsen gegenüber des Strandes. An dem Tag waren relativ viele Einheimische zum Baden am Strand. Allerings waren es nicht wirklich viele. Wir machten noch einen Spaziergang durch die Bögen hindurch, wobei wir am Ende wieder allein waren am Ende des Strandes. Überall war recht viel Müll. Als wir zurückkehrten wurde es bald dunkel und nur noch wenige Menschen waren da. Einige Fischer sammelten und fischten irgendwas aus der Ebbe. Wir gingen in den Imbiss und bestellten ein Sandwich zum mitnehmen.

Das Ding kostete 30 Dh und war nicht besonders gut gemacht, braucht einige Zeit, war aber für zwei Personen gut ausreichend. Wir setzten uns mit Bier, Wein und dem Sandwich auf die Terrasse und glotzten in den nicht richtigen Sonnenuntergang, weil der Himmel am Horizont trüb war. Mittlerweile hatte die Flut eingesetzt und kam den Hotels sehr rasch näher. Die Luft wurde durch die ständige und immer näher kommende Brandung immer trüber, was durch den trüben Schein der Beleuchtungen noch viel deutlicher wurde.

Irgendwie kam mir die Lautstärke des Meeres viel leiser vor als das letzte mal. Kein lautes Donnern, kein Vibrieren des Hauses. Irgendwann beendeten wir den Tag, ohne einen richtig schönen Sternenhimmel gehabt zu haben.


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