🇲🇦 2011 Marokko – Tag 6 – Sidi Ifni / Legzira

Diesmal wachte ich bereits vor Sonnenaufgang auf. In der Nacht war es recht kalt geworden und ich wachte vom ewigen Husten eines Mannes auf, der es nach dem Husten zu urteilen nicht mehr lange machen würde. Ich begnügte mich mit einer kargen Wäsche und ging mit meinem Zeug eine Etage tiefer in ein bereits geöffnetes Cafe. Hier konnte ich wieder den ordentlichen marokkanischen Kaffee genießen der einen ordentlichen Gehalt an Koffein hat. Ich war mit meiner Winterbekleidung unterwegs und trotzdem war es schon recht kalt. Nach dem Kaffee ging ich in einen Laden und versorgte mich mit Fladenbrot und Käse für die Fahrt nach Tiznit und weiter nach Sidi Ifni. Der nahegelegene Busbahnhof war voller Busse und Taxis und mit Abstand der größte der bisherigen Fahrt und sollte es auch bleiben.

Dies war das Drehkreuz zwischen Nord-Süd und Ost-West im Süden Marokkos. Nach kurzer Suche fand ich einen passenden Bus nach Tiznit für wenig Geld. Tiznit ist ein weiteres Drehkreuz noch weiter südlich. Die Scheiben des Busses waren zu Beginn von Feuchtigkeit beschlagen. Nach Sonnenaufgang wurde es jedoch schnell recht warm. Nach ca. 2 Stunden Fahrt gelangten wir in Tiznit an. Ich wurde an der Hauptstrasse zur ersten größeren Kreuzung rausgelassen. Rechts davon befand sich die Medina. In T. sollte es auch nach dem Planeten nichts besonderes geben und so sah das auch aus. Ich orientierte mich an der im LP vorhandenen Karte und ging zum Taxistand. Nach Sidi Ifni sollte man nur mit dem Taxi kommen. Am Taxistand standen ca. 20 Taxis. Ich fragte einen, der schüttelte aber nur mit dem Kopf.

Ich fragte einen zweiten, der auch mit dem Kopf schüttelte. Einer von beiden kam aber schließlich zu mir und meinte für 300 dh gehts nach Sidi ifni. Das war mir bei weitem zu viel für die Fahrt und ich lehnte ab. Dann kam schließlich ein anderer und meinte ich sei am falschen Taxistand. Die Taxis nach Sidi Ifni fahren weiter südlich ab. Also ging ich zu dem mir beschriebenen Stand. Unterwegs wollte ich noch am Automaten Geld holen. Ab und zu setzt meine Erinnerung nach meiner Geheimzahl aus, so auch hier. Ich verdrehte irgendwie die Zahlen und schon hatte der Automat meine Karte gefressen. Das war ein richtig großes Übel. Die Bank hatte zum Glück offen und ich konnte mich verständlich machen, dass der Automat grad meine Karte gefressen hatte. Nach einigen Formularen erhielt ich meine Karte wieder zurück und konnte schließlich doch noch Geld holen. Der ganze kleine Ort war voll mit Reisenden.

Es gab außerhalb der Medina nichts weiter zu sehen. Es war jedoch bemerkenswert, dass die Gebäude und Strassen in relativ neuem Zustand waren. Generell sah ich in jedem Ort Bautätigkeiten. Den richtigen Taxi-Platz erreichte ich schließlich unter schon strengerer Sonne. Nach kurzem Gefrage landete ich schließlich beim richtigen Taxi. Der Fahrer wollte so wie es üblich ist noch warten bis genügend Leute mitfahren. Das heißt dann beim alten Benz drei Leute vorn und vier Leute hinten. Nach ca. 1h warten gings dann auch los. Die Sonne wurde immer wärmer und die Fahrt ging Hügel rauf und runter durch Dörfer nach Süden. An jeder Ecke sah man Kakteen, die ganze Hänge einnahmen und wohl für Kakteenfeigen herangezogen wurden.

Nach ca. 3h Fahrt erreichten wir Sidi Ifni am zentralen Taxiplatz, der aus einigen wenigen Taxen bestand. Den Taxistand habe ich fotografiert, allerdings hatte ich zu dem Zeitpunkt die getarnte Person noch gar nicht gesehen. Die ist mir erst nachher aufgefallen. Ich ging Richtung Meer durch die kleine Stadt. Es waren nur wenige Strassen und alles war sehr klein. Innerhalb kurzer Zeit erreichte ich die Strandpromenade, die hoch über dem Wasser lag. Hier gab es keine Geschäfte und nur wenige Einheimische. Unten konnte ich den Parkplatz der Camper mit ihren Wohnmobilen sehen. So gut wie niemand war am Strand. Der Bereich der Camper war eingezähnt und zusätzlich hatten sich noch einige gedacht ihre 2 m² vor dem Wohnmobil einzuzäuhnen. Die Fahrzeuge waren fast alles französische Mobile mit Rentnern. An der Promenade redete mich ein junger Mensch an ob ich eine Unterkunft benötigen würde. Die brauchte ich, wollte sie aber auf gar keinen Fall von ihm haben. Trotzdem wollte ich mir mal ansehen was er zu bieten hat.

Er hatte ein Haus zu vermieten für ca. 5€ am Tag. Das Haus war eigentlich eine typische arabische Wohnung im Zentrum der Stadt. Nicht schlecht gelegen, war mir aber zu abgefahren in dem Moment zu mal ich ja nach Legzira wollte. Das kleine Ziegelhaus war extrem niedrig und absolut eng. Aber trotzdem mit allem ausgestattet was man so braucht, nur halt nicht neu und erst recht nicht westlich. Ich bedankte mich und ging am Strand nach Norden Richtung Legzira. Nach dem LP sollte es eine Strecke von 15 Km sein. Am Rand der Stadt am Strand lief eine übelriechende Suppe aus einem Rohr ins Meer. Das wahr wohl das Abflussrohr dar Stadt.

Nun ging es durch Steine, rechts die ca. 20 m hohen steilen Wände der Klippen und links das Meer. Nach einiger Zeit erreichte ich einen alten Mann, der im Meer irgendwas trieb. Ich näherte mich, grüßte und glotzte was er da so trieb. Er erklärte mir ohne die Sprache zu kennen, dass er auf der Suche nach Würmern zum Fischfang war. Ich fragte ihn ob das der Weg nach Legzira sei. Er sagte das es das schon ist, aber grad die Flut einsetzt und dann der Weg versperrt sei und ich mich hüten sollte wegen der Flut. Ich verabschiedete mich und ging trotzdem weiter. Nach einiger Zeit sah ich rechts ein Feuer im Sand. Das Feuer bestand aus ein paar Stöckchen. Seit ca. 20 min hatte ich keinen Menschen mehr gesehen und vorraus war auch niemand zu sehen. Rechts die steilen Klippen und links das Meer.

Ich ging weiter bis ich über große Steine steigen musste um am engen Strand weiter zu kommen. Nach einger Zeit ging es aber nicht mehr weiter. Vor mir lag das Meer und rechts dir Felsen. Das Meer war zwar nicht sehr tief und ich hatte aber einige Bedenken, gerade auch wegen der Rückkehrmöglichkeiten mit der steigenden Flut. Ich sah rechts einen steilen Aufstieg zum Plateau auf den Klippen und nutzte die Chance, da ich dachte bei Legzira zu sein. Der Aufstieg war ein ausgetrampelter Pfad, jeweils einer an beiden Seiten eines Wadis. Ich ging den nördlicheren Pfad hinauf, wo es einen großartigen Blick auf das untenliegenden Meer gab. Ich erreichte nach einigen Minuten einige Häuser die gerade gebaut wurden, aber auch schon zum Teil bewohnt waren. Alles wirkte sehr verlassen und einsam.

Ich fragte die erste Person nach dem Weg, konnte mich jedoch nicht verständlich machen. Ich wußte, dass es in Legzira ein Hotel geben müsste, das sah hier aber gar nicht so aus. Ich irrte durch die weiten Wege zwischen den Häusern als mir jemand aus einem Haus was auf Deutsch zurief. Das war ein jüngerer Typ, dem ich nach kurzem Gerede nach dem Weg fragte. Ich hatte mich in meiner Lauftätigkeit am Strand gründlich verschätzt und war nur ca. 2km in einigen Stunden gekommen. Mir wurde auch mitgeteilt, dass gleich ein Bus von der Ansiedlung fahren sollte. Ich sputete mich also um zum Bus zu gelangen, fand jedoch keinen Halt dafür und entschied mich schnellstens zur Hauptstrasse, auf der wir vor einigen Stunden angekommen waren zu gelangen. Ich wartete ca. 30 min. Kaum ein Auto kam vorbei und ich chillte gemütlich in der Sonne. Irgendwann muss ja mal was vorbeikommen.

Ein Bus kam jedoch nirgends vorbei, obwohl ich auch die Ansiedlung gut einsehen konnte. Irgendwann kam ein volles Taxi vorbei und ich dachte es wäre keine schlechte Idee ein Taxi zu nehmen. Die wenigen die vorbeikamen waren alle voll. Eines jedoch hatte noch einen Platz. Hier machte ich den Fehler nicht gleich den Preis zu verhandeln. Die 10 min Fahrt kosteten 10 dh, was die Hälfte nach Tiznit gewesen wäre. Aber egal, so teuer war das nun auch wieder nicht. Ich wurde in einer noch verlasseneren Gegend rausgelassen. Ich sah ähnliche im Bau befindliche Häuser hoch über dem Meer, nur viel weniger. Kein Mensch war hier von der Strasse aus zu sehen. Ich ging als in Richtung Strand und dachte schon der LP hätte mich belogen.

Als ich ganz dicht am Abhang stand erkannte ich den Sandstrand unterhalb von mir und Gebäude mit parkenden Autos davor. Nur 1 Minute vorher hatte ich rein gar nichts gesehen. Die Lagune ist so versteckt, dass man sie nicht mal erkennt wenn man direkt vor ihr steht. Ich ging nach unten zum Strand um mir das von der anderen Seite zu betrachten. Es waren drei verschiedene Hotels an den Abhang geklebt. Insgesamt war hier nicht viel los, jedoch weit mehr als ich erwartet hatte. Das erste Hotel hatte geschlossen. Ich sah mir die beiden andern an und entschied mich für das ganz links liegende da der Rezeptionist mit sich handeln ließ und ich auf 200 dh pro Nacht kam. Das war immmerhin fünf mal so viel wie die Nacht zuvor, jedoch mit weit besserem Blick, Lage und Zimmerkomfort.

Das Zimmer war sehr sauber, recht klein und hatte nichts was man sonst so in Hotels hat. Kein Fernseher. Wozu auch? Keinen Kühlschrank, keine Klima. Nichts halt ausser einem Bett und einem Schrank. Ja der Schrank war der Unterschied zu der Unterkunft der Nacht zuvor. Durch zwei Fehlgriffe dazugelernt hatte ich vorher nach Strom und warmer Dusche gefragt. Strom gabs nur nach Einbruch der Dunkelheit bis 23.00 Uhr von einem Generator. Das sollte reichen um die Akkus auch wieder aufzuladen. Das Zimmer hatte eine kleine Terrasse mit Blick zum Meer. Im Erdgeschoss war eine größere Terrasse vom Restaurant. Ich lud mein Gepäck ab und ging als erstes linker Hand aus dem Hotel durch die in der langsam untergehenden Sonne rot schimmernden Felsbögen durch. Obwohl die Hotels komplett verlassen schienen, waren am Strand einige Touris und einige Fischer. Außerdem gabs noch einige Hunde die frei am Strand herum rannten. Ich ging durch den ersten der Bögen durch und gelangte schließlich zum zweiten der Bögen. Gegen die untergehende Sonne vom aufgewirbelten Wasser des Meeres konnte man gar nicht sehen was sich dahinter verbarg.

Das Meer war auch recht laut, da es einige Felsen im Meer direkt vor dem Hotel gab und auch einige Stellen weiter immer wieder. Im ganzen Bestand der Strand aber aus Sand mit einigen größeren Inseln aus mittelgroßen runden Steinen. Durch den letzten Bogen gelangte ich in eine Höhle. Hier erkannt ich das ich mit der Flut niemals hierhergekommen wäre, da alles vom Wasser umschlossen war. Beim Anblick der Höhle dachte ich als erstes an eine tolle Partylocation. Groß genug um dutzende Menschen aufnehmen zu können und weiter gleich der Strand. Die Sonne begann nun unterzugehen und ich ging wieder den Weg zurück. Einige Hippies stellten spitze Steine auf andere Steine bis sie standen und aussahen als ob sie schweben würden. Ich ging weiter an den Hotels vorbei bis auf einige Felsen am Wasser um den Sonnenuntergang zu betrachten.

Im Gegensatz zur vorletzten Nacht in Essaouira war es hier nicht im geringsten windig und angenehm warm mit ca. 28 °C. Weiter um die Felsen gab es noch eine weitere kleine Lagune wo sich etwas über dem Wasser ein Zelt befand. Kurz nach Sonnenuntergang wurde es recht schnell Dunkel und der Generator fing sein unüberhörbares Werk an. Überall gingen Lichter und Lichterketten an. Allerdings gab es nur ca. 8 Besucher des gesamten Areals. Was wäre das für eine tolle Partylocation? Hier spielte aber leider nirgends Musik und wir trafen uns alle bei einem kleinen billigeren Imbißstand rechts neben den Hotels. Ich hatte wieder mal schwer mit der Karte zu kämpfen und entschied mich für das im nachhinein schlechteste was man sich wählen kann.

Ich wollte gegrilltes Huhn mit Salat und Pommes und diversen anderen Salaten. Während ich da saß (Ich kann mich immer wieder darüber aufregen, das ich lieber detalliert Reisebericht geschrieben habe, den ich ich schließlich irgendwo in Berlin verloren habe und mich nicht den Gesprächen am Nachbartisch gewidmet hatte) wurde im Dunkeln um die Ecke ein Grill aufgebaut und extra für mich darüber ein Huhn gegrillt. Zu dem Zeitpunkt dachte ich mir das das nun wirklich nicht hätte sein müsse. (Zu dem Zeitpunkt war ich übrigens noch kein Vegetarier, trug aber bestimmt dazu bei). Als ich das leckere Essen halb verspeist hatte fiel mir die Sache mit dem Strom ein. Ohne Strom keine Kühlung des Fleisches. In dem Moment ging es mir im Magen um. Ich dachte es sind Halluzinationen und verspeiste alles vollständig.

Legzira ist übrigens nicht ganz billig, aber auch wirklich nicht teuer. Eine Nacht sollte man da mindestens sein, das ist unvergesslich. Das Essen hatte keinesfalls über 10€ gekostet. Ich schätze es waren 6 mit Getränken da ich immer sehr geizig war. Im Vergleich zum weiteren Verlauf der Reise war das aber schon recht teuer. Auf der Imbissterrasse konnte ich auch nicht viel sehen. Nebenan saßen einige Italiener und Italienerinnen die irgendwas spielten und das wars auch schon. Im Kerzenschein und der entfernten Lampen konnte ich kaum mein Essen sehen. Ich wusste auch nicht ob das Huhn durch war. So angefühlt hat es sich jedenfalls nicht.

Nachdem ich meine Cola draufgeschüttet hatte ging es mir wieder im Magen um. Ich muss in solchen Momenten immer an 2^x denken und der Teilungsgeschwindigkeit von 20 min für Salmonellen. Ich beschloss nichts anbrennen zu lassen und zog mich auf mein Zimmer zurück. Aus Marrakesch hatte ich noch eine Flasche Wodka dabei und verleibte mir medizinisch einige Wodka Cola gegen den vermutlichen Salmonellenanfall auf der Terrasse vor dem Zimmer. Hier konnte ich den unglaublichen Sternenhimmel sehen, den ich vorher unter den Sonnenschirmen nicht sehen konnte. Licht gab es nur düster von unterhalb, sonst gab es kein Licht das den Himmel stören konnte. Die Sterne hier am Rande der Westsahara leuchteten so unglaublich hell, dass ich Formationen entdecken konnte die ich vorher nie gesehen hatte.

Der Mond schien zum Glück nicht, so dass ich das ganze voll genießen konnte. Dazu kam noch das Meer, das immer weiter in der Flut anstieg und dem Hotel immer weiter gefährlich nahe kam. Das Meer war durch die vorgelagerten Felsen unglaublich laut dass sich die Wellen daran mit lautem Getöne zerbrachen. Als ich schließlich zu Bett ging, merkte ich wie das ganze Haus erbebte wenn die Wellen gegen die Felsen prallten. Ich musste immer wieder das Fenster aufmachen und die Sterne betrachten, sowie das Meer in dem sich die Sterne spiegelten. Am nächsten Morgen sollte ich sehen das das Meer zur Flut tatsächlich bis zum Hotel gelangt war.


Leave a Reply

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei