🇲🇦 2011 Marokko – Tag 13 – Boumalne / Ouarzazate

Gegen 0700 fuhr ich schon wieder weiter Richtung Ourzazate um pünktlich 1000 da zu sein. Rechts zeigte sich weit von der Strasse entfernt der Atlas mit seinen schneebedeckten Gipfeln. Alles was hier grün ist, hat seine Ursache in den Gletscherbächen und dem Schmelzwasser nach der Schneeschmelze. Es müssen ziemlich große Fluten sein, die sich dann Richtung Sahara ergießen. Der Draa mündet nach einer Drehung wieder im Atlantik, der Rest versickert wohl in der Wüste.

Bevor ich losfahren konnte entlockte mir noch ein Typ aus dem Geschäft unter dem Hotel 20dh, mit der Begründung dass er die ganze Nacht auf das Auto aufgepasst hatte. Das glaubte ich dem zwar nicht, aber die ganze Absteige war mir sowieso nicht geheuer. Also gab ich sie ihm und machte mich aus dem Staub. Mittlerweile war es ordentlich kalt geworden, so dass ich mich früh morgens der Heizung im Auto bedienen musste. Nach einigen Kilometern hielt ich an einer Art Raststätte. Für die sonstigen Verhältnisse war das recht luxuriös ausgestattet. Mehrere Tajine-Grills standen in der Küche ausser Betrieb und warteten darauf während des Tages in Betrieb genommen zu werden.

Ich ließ mir wie immer ein Omlette mit Schmelzkäse zubereiten und dazu gabs natürlich wieder ordentlichen Kaffee und Fladenbrot. Ich kam pünktlich in O. an und fuhr nochmal an die Tanke. Ich weiß nicht mehr was ich bezahlt hatte, es war jedenfalls nicht sehr viel. Mittlerweile hatte sich eine ganze Menge Müll im Auto angesammelt, den ich in eine Plastiktüte packte und wieder im Auto verstaute. Der Autoverleihmensch empfing mich wieder und das ganze Prozedere setzte wieder ein. Ich machte mir bisschen Sorgen, ob das Auto nicht noch zusätzliche Schäden durch meine Pistenfahrten erhalten hätte. Äußerlich sah es jedenfalls nicht so aus. Der Verleihmensch ging seine Liste und das Auto ab wobei mir etwas fröstelte, ob er mir nicht doch eine riesige Rechnung präsentieren will.

Es schien alles klar zu sein, bis er sich bückte und unter dem Auto rumkroch. Da wurde mir noch ein bisschen mulmiger zumute, weil ich damit nun wirklich nicht gerechnet hatte. Es ging aber alles klar und nach kurzer Zeit war ich die Karre wieder ordentlich los und stand mit meinem Müllbeutel vor dem Geschäft. Der Müllbeutel flog nach Landessitte an den Rand der Hauptstrasse und ich ging wieder ins Royal um ein Zimmer zu nehmen. Diesmal dauerte es bei dem alten Zausel noch länger als ich es schon gewohnt war. Während der Zwischenzeit betrachtete ich mir den Hoteleingang. Interessanterweise hing da ein recht hübsches Gemälde mit genau der Route, die ich gerade in 48 Stunden gefahren bin.

Das war in sofern etwas seltsam, weil ich nur die LP-Karten hatte und diese hier an der Wand noch mehr Details hatte. Ich ließ meine Sachen zurück im Zimmer, nachdem ich eine ordentliche Dusche genommen hatte. Im Royal gabs immer warmes Wasser. Danach ging ich diesmal zu Fuß in Richtung Neustadt, also in Richtung der Strasse nach Zagora. Direkt nach über der Hauptstrasse hinweg fingen auch schon kleine Gärten an, die am Draa gelegen waren. In den Gärten wurde noch mit Hacke und Erdhaufen in Bewässerungskanälen das Wasser reguliert und über die Felder verteilt. Ich schaute einem einige Zeit zu und ging weiter etwas kreuz und quer durch die Gärten. Am Fluß angekommen drehte ich wieder um in Richtung Hauptstrasse und nun durch die Medina durch, die eine der ältesten in Marokko sein sollte. Jedenfalls wurde gesagt, dass sie aus dem 12. Jahrhundert ist.

Die Gassen waren schmal und extrem verwinkelt. Mehr als einmal befand ich mich schließlich in einer Sackgasse. Insgesamt war da aber nicht viel los. Die Häuser waren noch teilweise aus Lehm gebaut. Am etwas moderner wirkenden nördlichen Ausgang zur Hauptstrasse warteten einige jugendliche Stadtführer, die mich auch ansprachen ob ich eine Führung haben will. Hätte ich im nachhinein vielleicht machen sollen, aber ich war da nun schon einige Weile durchgelaufen. Nun ging ich aber wirklich in Richtung der relativ neu gebauten Neustadt über den Draa und seine enge Brücke, auf der ich fast mit einem Bein in ein Loch getreten wäre.

In ganz Marokko war zu sehen, dass außerhalb der Städte oder Dörfer gebaut wurde. Das waren nicht nur Häuser, sondern zuerst Gehwege, die sich teilweise einen Kilometer an der Hauptstrasse ins nichts langzogen. Man erkannte auch das diese relativ neu angelegt waren, da auch Palmen frisch gepflanzt wurden und diese noch klein waren und öfters bewässert wurden. So war das auch am Übergang in die Neustadt. Ich hatte dort an einer Ecke angekommen aber keine Lust mehr weiterzulaufen, da ich irgendwie vom Auto verwöhnt wurde und es mit Laufen nach zwei Wochen auch mal reicht. Ich setzte mich also wieder gemütlich in ein Eckcafe direkt an die Kreuzung und trank mehrere Kaffee während ich in meinen Reisenotizen schrieb.

Irgendwann ging ich wieder zurück und schaute mir die alte Kasbah an der Hauptstrasse im Zentrum an. Der ganze Bau war aus Lehm und schon recht verfallen. Man konnte aber schon durch die Zimmer und einige Stockwerke hoch gehen. Alles war unglaublich eng und niedrig. Ich ging noch ein bisschen durch die Stadt, wo es allerdings nichts weiter besonderes zu sehen gab. Mittlerweile war es Abend geworden und ich ging auf den zentralen Platz, wo sich schon viele Menschen versammelt hatten. Es gab zahlreiche Restaurants mit Sitzplätzen auf dem Platz. In einem entdeckte ich schon vorher ein WLAN. Ich ging da also mit meinem Netbook hinein und bestellte einen Tee.

Ich versuchte da ins Netz zu kommen, was mir allerdings nicht gelang. Ich fragte den Wirt nach dem Passwort, was der mir aber nicht richtig beantworten konnte. Nun war ich etwas verwirrt. In einer dunklen Ecke saß aber einer vor einem Laptop allein an einem Tisch. Das war ein etwas sonderlicher Anblick, hatte ich doch schon seit Tagen nur sporadisch im Internetcafe Netzzugang. Ich ging zu ihm und fragte wie ich denn Zugang bekommen könnte. Er konnte sich nicht auf Englisch verständigen und ich nicht auf Französisch. Irgendwie klappte es aber doch. Ich gab ihm mein Netbook, mit dem er erst etwas schwierigkeiten hatte, da es keine arabische Tastatur hatte, aber nur kurzer Zeit hatte ich Zugang. Interessanterweise war das ein öffentliches Netz auf dem Platz und nicht von einem Restaurant. Soweit ich mich erinnern konnte, war das Passwort das gleiche wie der Name von Netz. Das fand ich schon bemerkenswert, dass es so halb vor der Wüste ein öffentliches Netz gab. Ich verbrachte nun einige Zeit noch mit Surfen und Emails schreiben bis mir zu kalt wurde und ging später wieder zurück ins Royal.


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