🇦🇺 Allgemeines zur Reisesituation in Western Australia 2017

Grundsätzlich ist die Qualität bei einer Autoreise durch WA mit nichts zu vergleichen was ich vorher hatte. Alles sind irgendwelche Extreme, aber auch jetzt nicht so extrem.

Das kommt erst im nachhinein wie speziell das doch war. Fangen wir also beim Beginn mit dem Auto an. Ohne Auto gehts nirgendwo hin. Es geht mit einem normalen Auto aber die besten Spots sind nur mit Allrad zu erreichen. Mit Allrad meine ich einen wirklichen Allrad und auf gar keinen Fall ein SUV wie unseren Toyota RAV4. Das Ding ging schon halbwegs auch durch absolut feinen Sand aber ich hab dem nicht so ganz getraut. Am besten man machts wie alle Einheimischen und das ist Toyota Hilux oder vergleichbar. Die sind allerdings teuer. Das beste Auto nützt einem auch nichts wenn man im nirgendwo fest steckt. Das Nirgendwo gibts ständig und das fest stecken auch.

Allgemeines

Ich empfehle dringend einen PLB mitzunehmen. Wenn was passiert dann kommt niemand vorbei und man stirbt dort. Das passiert ständig. Die Gefahren sollte man wirklich nicht unterschätzen. Man kann dort 10m neben der Strasse sterben weil dort niemand vorbei kommt und einen sieht. Der PBL ist ein Notruf per Satellit und ich war in einigen Situationen beruhigt den dabei zu haben.

Die Reisequalität in WA ist äußerst hoch und die Strassen sind sehr gut soweit Strassen vorhanden mit Asphalt vorhanden sind. Pisten sind zahlreich und machen erstaunliche Abkürzungen möglich. Wenn man dort unterwegs ist dann wird man zwangsläufig mit Pisten Bekanntschaft machen und seine Fähigkeiten in Sand, Staub, Steinen, Geröll, Wasser und Waschbrett trainieren können, auch wenn man nur die Hauptrouten nimmt. Z.B. ist die Strecke Coral Bay nach Tom Price eine 70 km lange Piste vor Tom Price. Ich dachte das wäre eine asphaltierte Strasse.

In Shark Bay kommt man grundsätzlich nur mit Allrad zu den richtigen Orten außer Monkey Mia. Es gibt dort bei den Touri-Stellen Listen ob das Auto passt. Unseres hätte für Big Lagoon gar nicht gepasst aber das hab ich erst später erfahren. Insgesamt fand ich die Strecke nicht so schlimm aber das war extrem feiner und tiefer Sand teilweise. Das erste Mal hab ich die Strecke sogar ohne Luftablassen geschafft weil ich das einfach vergessen hatte. Zu Beginn der Pisten dort gibt es auch tatsächlich Luftstationen zum Ablassen und Aufpumpen von Luft und das sollte man auch tun. Ca. 0,7 bar auf den Reifen und das fährt sich wie Butter durch den Sand.

Das Problem ist das sich die Bedingungen immer extrem schnell ändern können. Da braucht es nur mal kräftig zu regnen und man muss durch nassen Sand was wieder völlig anders ist. Insbesondere die Bodenfreiheit ist auch meistens entscheidend ob man aufsetzt oder durchkommt. aller par Kilometer gibts auf den Hauptstrecken Rastplätze die sich mit einem Tired Schild ankündigen. Die Rastplätze sind wirklich sehr gut ausgestattet und immer mit mehreren Grillstellen in denen man sicher Feuer machen kann und auch übernachten kann. Wir haben das nie getan aber das ist echt toll. Ich hatte erst geplant und mich auch auf Lagerfeuer gefreut.

Nicht ein einziges Mal hatte ich mir es getraut ein Feuer zu machen während der vier Wochen. Der Grund war einfach das dort alles um einen herum immer extrem trocken ist und viel davon vorhanden ist. Dabei hatte ich weniger Bedenken wegen einem Buschfeuer an sich sondern wegen dem Problem eines unbemerkten Brandes während der Nacht und der Aussichtslosigkeit des Wegkommens. Ich hatte einige Buschfeuer gesehen und abgebrannte Landschaften bis zum Horizont. Rotleuchtenden Horizont während der Nacht durch Buschfeuer. Hinzu kommt das fast immer starker Wind war.

Mitten im Busch war das nahezu aussichtslos ein Feuer zu machen ohne da was mit abzufackeln. Da es das Problem nicht erst seit heute gibt haben die Australier an jeder Ecke Grillstellen eingerichtet. In Sydney war mir das gar nicht so aufgefallen sondern erst nach einigen Tagen in WA. In Städten gibts an allen möglichen und unmöglichen Stellen den unglaublichen Luxus von Grillstellen mit Gas und die sind immer Betriebsbereit. Das sind Metallflächen in einem Betontisch und drunter ist das Gas. Mit einem Knopfdruck geht das Ding an und nach 20 Min wieder aus. Dazu gibts auch Töne. Die Teile sind immer extrem sauber und wie neu.

Mittlerweile sind mir die auch in Sydney aufgefallen. Die gibts in jedem Park am Strand und auf Hügeln. Unterwegs auf der Strasse hab ich die auf den Rastplätzen nicht gesehen. Allerdings gibts da Feuerstellen in einem hohen Betonring wodurch die Brandgefahr stark verringert wird.Übernachten kann man außerhalb der Ortschaften theoretisch überall. Problematisch wird das Ganze aber dadurch das fast überall Zäune sind wegen den Rindern und man nicht weit mit dem Auto kommt. Wir haben das eigentlich nur eine Nacht am Strand neben einem Schild mit Camping verboten gemacht und dann sind wir auf Campingplätzen gewesen. Erst dachte ich das wäre etwas Einengend, aber der Luxus von Duschen und Waschmaschinen ist einfach nicht zu verachten.

Campingplätze gibts überall und in den unterschiedlichsten Ausstattungen. Im einfachsten Fall hatten wir nur eine Abgrenzung und eine ebene Fläche ohne andere Leute in Big Lagoon Shark Bay und ohne irgendwas weiteres, allerdings auch ohne Kosten, außer dem Eintritt für Shark Bay. Dann gibts welche mit schöner Wiese und Bäumen, Küche, Waschmaschinen, Duschen, Pool und Gemeinschaftshaus. In so einem Campingplatz waren wir als erstes nach 3-4 Tagen ohne Alles in Carnavon. Irgendwie war dort auch nicht viel los, so dass das gerade durch die vorherigen Widrigkeiten extrem Luxuriös war.

Die Plätze gibt es mit oder ohne Strom. Mit Strom kostet meist 5$ pro Nacht mehr. An Preise kann ich mich nicht mehr genau erinnern aber ich glaube das bei weitem Teuerste war in Coral Bay mit 50$ pro Nacht. Ansonsten müssten die um die 20$ gewesen sein, was für zwei Personen nun wirklich nichts ist bei einem Umrechnungskurs von 1:1,5. Irgendwie war bei uns der Strom nicht zu unterschätzen. Es unglaublich wie viele Geräte ständig aufgeladen werden mussten. Handies, Kameras, Laptop, Tablets. Die Waschmaschinen auf den Campingplätzen kosten Geld. Bei machen gab es Internet, aber das Internet war meist auf 300 MB Volumen beschränkt und kam für uns nicht infrage.

Grundsätzlich war es für uns dann wesentlich interessanter die Campingplätze anzufahren als ewig eine Stelle im Busch zu suchen um dann kein Wasser zu haben. Wir hatten allerdings einen 20L Wasserkanister immer mit dabei. Nördlich von Perth ist die letzte Stadt Geraldton. Danach gibts zwar noch Orte aber das sind keine Städte und alles weiter Nordwärts wird auch richtig teuer oder gibt es gar nicht erst. Für unseren Gasbrenner hatten wir noch im Baumarkt in Geraldton 16 Flaschen geholt für 1$ das Stück. Später war eine Flasche bis zu 7$. In Kalgoorlie gabs ein Achtel Stück Blumenkohl für 3$ und generell war Gemüse und Obst kaum erschwinglich wegen den Transportwegen.

Will man also Nordwärts dann sollte man sich in Geraldton im Baumarkt und im Supermarkt mit allem eindecken was man so braucht. Verhungern wird man sicher nicht aber alles wird dann immer mehr zum Dorfladen mit extrem hohen Preisen oder Baumarktsachen gibts dann gar nicht mehr. Ähnlich verhält sich das mit dem Sprit. Benzin ist in Australien mit ca. 1.15$/L (2017) recht preiswert, wenn auch nicht so wie in USA. Im Norden hatten wir dann teilweise 1.70$/L am Roadhouse. Grundsätzlich braucht man sich keine Sorgen um Benzin zu machen, aus zwei Gründen. Erstens kann man die Tankstellen immer mit max 500 km erreichen. Tanken sollten man also immer wenn dort eine Tanke ist und nicht wenn der Tank leer ist.

Das sollte man vorher prüfen wo die Tankstellen sind und wir haben die auch gezielt angefahren. Der zweite Grund ist der unschöne Grund und kann passieren. Es kommt oftmals vor das eine Tanke kein Benzin hat. Dann gehts halt nicht weiter und für die nächsten 500 km braucht man halt mehr als den einen Reservekanister, also ca. 50L. Wenn man so viel Reserve hat dann kommt man auch darüber hinweg. Uns ist das nirgendwo passiert. Man sollte sich nicht von scheinbaren Orten auf Schildern oder Orten täuschen lassen. Meistens sind das Stations (Viehzuchtstation) oder vielleicht mal ein Roadhouse, also eine Raststätte.

Gefahren

Was ist gefährlich? Das sind nicht Haie oder Spinnen oder Schlangen sondern einfach die Abgelegenheit. Davor sollte man sich hüten oder vorbereitet sein. Wenn man sich mal auch nur 50m in den Busch begibt und im Kreis dreht dann weiß man nicht mehr wo man hergekommen war. Alles sieht gleich aus. Von der Sorte gibts noch andere Dinge und grundsätzlich sollte man sehr vorsichtig sein mit der Abgelegenheit. Dort kommt halt unter Umständen die nächsten 100 Jahre niemand mehr vorbei. Haie machen eigentlich keine Probleme. Ich hatte nicht mal einen einzigen bisher in Australien gesehen obwohl ich dort jetzt schon fast drei Monate war.

Spinnen machen erst recht keine Probleme. Ich glaube es gibt vier fünf Tote pro Jahr wegen Spinnen. Das ist zig fach weniger als Tote im Radverkehr. Schlangen hab ich in der Zeit auch keine einzige gesehen. Spinnen sind schon oft zu sehen, aber ich hab mich da nicht weiter drum gekümmert. Das vergisst man und macht auch keine Probleme. Das größte Problem wegen Tieren sind eher Unfälle mit Rindern oder anderen bei Nacht. Wir sind nur einmal bei Nacht gefahren und da sind uns jede Minute Kängurus vors Auto gesprungen so dass wir 20-30 kmh fahren mussten. Schlimmer wirds mit Rindern. Ein Rind bei 100 kmh frontal getroffen kann das Ende für beide Beteiligten sein. Die Roadtrains haben vorne 10cm Durchmesser Stahlrohr und die mähen die einfach um ohne zu Halten. Die können bei bis zu fünf Anhängern allerdings auch nicht Halten weswegen überall tote Tiere am Strassenrand liegen.

Eine andere Gefahr sind Krokodile im Norden ab Broome. An Krokodilen kommen mit am meisten Menschen ums Leben, allerdings kamen wir nicht so weit. Ansonsten gibts da noch die Hitze und die Sonnenstrahlung. Die Sonne brennt so dermaßen heftig, dass man dort innerhalb einer halben Stunde locker einen Sonnenbrand bekommt. Um das zu Vermeiden gibts überall LF50 Sonnenschutzcreme. Das ist derart wichtig, dass man sich eigentlich gleich nach der Landung mit einer 2L Flasche eindecken sollte um nicht später sehr teuer dafür bluten zu müssen weil das die Verkäufer halt auch wissen wie wichtig das ist. Wir hatten teilweise Temperaturen von 45 Grad, was noch wenig ist und auch bis über 50 Grad gehen kann. Dagegen hilft eigentlich nur ständig zu trinken. Auch ein Bad im Wasser wirkt wahre Wunder.

Equipment

Bezüglich Internet hatten wir mein Handy mit der australischen Nummer genommen und irgendeine Option gebucht. Das Ganze war gar nicht so teuer und reichte immer länger als gedacht. Interessanterweise hatten wir wesentlich besseren Handyempfang als Wasser. Wir hatten z.B. in der Shark Bay an der Big Lagoon wo wirklich rundherum nichts ist besten LTE-Empfang, besser als in DE. Auf den Hauptstrassen gab es grundsätzlich immer Empfang, auch in den Orten natürlich. Einzig in Karijini gabs 2km vorher keinen Empfang mehr, was so schon recht gut war aber nicht reichte um Abends bisschen Daten zu senden. Die Datenkosten mit den Optionen sind wie gesagt nicht so teuer, so dass wir nie irgendwie Bedarf nach Internet hatten.

Wir hatten das Glück umfangreich Equipment mitnehmen zu können. Was war das wichtigste? Die Kühlbox! Ohne die den guten Waco Kompressorkühlschrank der Nachts -15 Grad erreichte hätten wir Tagsüber keine kalten Getränke gehabt und uns sehr sehr teuer Essen kaufen müssen. Wir hatten uns mit ein paar Kilo Fleisch in Geraldton eingedeckt. Später in Coral Bay war das unbezahlbar. Bei Campingplätzen mit Strom lief der ständig am Strom im Vorratszelt und sonst im Auto. Wir hatten ein 100W PV Panel dabei und eine Batterie und einen DC/AC-Converter. Das gab die Sicherheit Strom zu haben und vor allem eine leere Autobatterie wieder aufladen zu können. Zwei Mal war die aus versehen leer. Tücher sind immer wichtig und Müllbeutel. Daneben ein Gaskocher und natürlich Geschirr und Lampen für die Nacht. In WA wirds auch schon 2000 dunkel im Sommer. Daneben sollte man unbedingt Tape dabei haben und bisschen Werkzeug.


Zum ersten Tag vom Reisebericht…

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