🇲🇦 Grundsätzliches zur Reisesituation in Marokko

Da ich jetzt das zweite Mal in dem Land war und insgesamt über vier Wochen dort zugebracht habe, erlaube ich mir etwas Grundsätzliches über dieses Land zu schreiben.

Wenn man noch nie in einem arabischen Land und dann noch in Afrika war, dann kann der erste Tag etwas erschütternd und verängstigend wirken. Das ist ers recht der Fall, wenn man die Sprache nicht beherrscht. Wenn man Französisch kann, dann ist das wohl eher nicht so der Fall. Ich kann jedenfalls weder Französisch noch Arabisch und Englisch können die Marokkaner nur in touristischen Gegenden. Steigt man aus dem Flugzeug, dann muss man ein Einreiseformular ausfüllen. Dort wird nach Adresse des Wohnortes in Marokko, Heimatanschrift, Woher, Wohin, Beruf usw gefragt.

Bei der erstmaligen Einreise bekommt man neben einem Einreisestempel eine Identifikationsnummer. Diesen Zettel muss man in jedem Hotel und bei der Ausreise ausfüllen. Da wir oft nicht wussten wohin wir fahren und der Zettel auch immer nervte wurden wir immer kreativer beim Ausfüllen, so dass zB mein Beruf zwischen “unemployed” und “Professeur” schwankte. Bei der Ausreise nervten mich die dämlichen Bullen derart, daß ich so gut wie alles falsch angab, außer meinem Namen. Ich verpasste mir einige akademische Grade und den passenden Beruf dazu, gab als Zielort “Plane” an, unterschrieb mit “Drecksbullen” usw.

Vom Flughafen gibt es einen Bus, der zum Jeema el Fna und weiter zum Busbahnhof fährt. Der Bus kostet 30 Dh als Einwegticket oder 50 Dh als Returnticket. Ich hab nie ein Taxi vom Flughafen genommen, vermute aber daß das wesentlich teurer ist als mit dem Bus. Die Taxler werden vermutlich auch kein Taxameter benutzen, weil das Taxi dann wieder billiger wäre als der Bus. Der Bus braucht nur 20 Minuten zum Jeema el Fna und man hat eine recht gute WiFi-Anbindung. Außerdem ist der immer ziemlich leer. Was mir aber aufgefallen war ist, dass auch dort wieder gespart wird, indem die Klimaanlage nicht eingeschaltet wird.

In solchen Städten wie Marrakesch hatte ich immer das Gefühl abgezockt zu werden und das wird man auch bei fast jeder Gelegenheit. Eine große Flasche Wasser kostet am Späti zB 5 Dh, eine 5L Flasche 10 Dh. Für eine kleine 0,3 L Flasche kann man aber durchaus auch 15 Dh bezahlen. Grundsätzlich sollte man immer vorher Fragen wieviel man dafür bezahlen soll. Das betrifft vor allem für Sachen die man nicht mehr zurückgeben kann wie Essen oder Taxifahrten. Steigt man am Jeema el Fna aus, dann wird man besonders am Abend in einen erstmal unglaublich chaotisch erscheinenden Strudel aus hupenden Autos, Menschenmengen, Kindern, Alten, Bettlern, Eselskarren, Pferden, und wild fahrenden Moped’s entlassen.

Zusätzlich wird man fast augenblicklich angesprochen wenn man das Taxi oder den Bus verlässt. Der Taxifahrer hat vielleicht schon vorher versucht einem was anzudrehen. Wieder so eine Grundregel: Sich niemals was anschwatzen lassen, sondern immer wissen was man will! Es wird einem dort seltenst etwas geschenkt werden. Irgendjemand wird immer versuchen was zu verkaufen. Sei es für den Weg den man sich zeigen lässt oder was auch immer.

Touris werden in Marrakesch von den Einheimischen sofort erkannt wenn sie nicht aus Marokko selbst kommen. Man kann sich so erbährmlich kleiden wie man will aber es wird nicht klappen. Dadurch wird man auf der Straße in Marrakesch jede 30 Sekunden von irgend jemandem angesprochen. Sei es um Essen zu verkaufen, als Führer zu dienen, Bettlern Geld zu geben, Plunder zu verkaufen oder was auch immer. Wenn man aufmerksam ist wird man merken daß man zusätzlich ständig von leeren Taxis angehupt wird um auf sich aufmerksam zu machen.

Das Hupen ist dort eine eigene Sprache und etwas längeres Hupen bedeutet: Hinter Dir ist ein leeres Taxi und kann Dich ohne Taxameter zu völlig überteuerten Preisen mitnehmen. Siehe noch mal die eine Regel: Selbst entscheiden und ein Taxi wählen wenn man eins will und auf den eingeschalteten Taxameter bestehen. Die Kurzstrecke kostet halt 5 Dh und nicht 30 oder irgendwas anderes Utopisches. Das ständige nervende Angequatsche gibt sich etwas wenn man Selbstbewusst aussieht und nicht verwirrt und suchend. Noch mehr gibt sich das wenn man nicht als frisch angekommenes Touriopfer mit blasser Haut erscheint.

Man kann nun ständig und das heisst wirklich alle par Sekunden mit “No merci!”, “La Shukran!” antworten oder meiner bevorzugten Variante, gar nichts sagen, gemischt mit Variationen von “Verpiss Dich!” und Ähnlichem wenn man genervt ist um sich abzuregen. Das sehe ich nicht als Unfreundlich an, sondern gerade die Leute die in meine Privatsphäre eindringen sind unfreundlich und belästigen mich indem sie mich persönlich ständig ansprechen. Man hat auch keine Ruhe wenn man sich hinsetzt. Irgendjemand kommt schon vorbei und redet einen an. Und das dauert nur Sekunden! Das heisst jetzt nicht das man sich davon abschrecken lassen sollte.

Mit Ruhe und Selbstbewusstsein kann man Marrakesch gut erleben, mich nervt das aber auf die Dauer extrem. Für viele, besonders Bettler ist das vielleicht die einzige Möglichkeit um über die Runden zu kommen. Andere versuchen Reich zu werden oder sind es schon. In der Medina und in den Suks von Marrakesch oder vielleicht auch in anderen großen Städten wie Fes hat man sicher die größte Auswahl an allerlei Mitbringseln. Genau dort sind sie aber auch extrem teuer. Die Händler versuchen einen immer irgendwie möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen. Um einen guten Preis herauszufinden kommt man um etwas Arbeit nicht herum.

Das was man haben will oder Ähnliches gibt es sicher auch gleich 3 m weiter. Man fragt nach dem Preis und sollte sich nicht schämen ein Zehntel von dem genannten Preis anzubieten. Der Händler wir dann drastisch von seinem Preis runtergehen, der aber immernoch viel zu hoch ist. Dann geht man etwas höher und verlässt den Laden. Wenn der Händler hinterherkommt oder zustimmt, dann ist der Preis ok. Das wird nicht sofort klappen aber mit etwas Übung kann man schon einiges erreichen. Als Beispiel kann ich meinen Kelim von der vorletzten Reise nennen. Den habe ich für 200 Dh und etwas Aspirin bekommen. Der Händler wollte erst über 2000 dafür.

Bei der letzten Reise wollte ich wieder einen Kelim, aber irgendwie war es schwer einen Teppichhändler aufzutreiben. Mitten im zentralen Suk von Marrakesch versuchte ich mein Glück, indem ich mir einen zeigen ließ und statt der 2400 Dh die der haben wollte 200 bot. Der Typ war aber ne Art Schlafmütze, so dass wir den Laden schnell wieder verließen obwohl ich auch höher gegangen wäre. Grundsätzlich kann und sollte man immer handeln, was sich besonders bei Hotelzimmern recht schnell als positiv erweist wenn man mal einige Tage da ist. In der Nebensaison kann man ordentlich runterhandeln oder weiter gehen.

Es gibt überall normalerweise genug Hotels. Recht teuer war es aber auch in der Nebensaison am Beginn der Dadesschlucht. Also eigentlich war das nicht teuer sondern völlig überteuert für das was man geboten bekommen sollte. Ein Zimmer war für zwei Personen 500 Dh. Allerdings ohne Heizung und ohne weiteres. Wir fragten noch nach Heizung und der Typ meinte noch es wird nicht kalt. Das bringt mich zu einem weiteren generellen Punkt: Oftmals stimmt das Preis-/Leistungsverhältnis in keinster Weise.

Dies kann alle Dinge betreffen. Für 50 Euro pro Nacht bekommt man ein Zimmer ohne Heizung, wahrscheinlich ohne WiFi, ohne warmes Wasser, mit verranzten Bettdecken weil die noch im Fluß gewaschen werden, Stromausfälle, irgendwelchen andere Restriktionen nachdem man bezahlt hat, dünne Wände und nicht richtig schließende Türen, schummriges Licht, nur eine Steckdose, die einem durch die extrem schwankende Spannung die Elektronik zerhaut, keine Handtücher, keine Seife, keinen Fernseher, rumglotzendes Personal, Verkaufsversuche von irgendwelchen Sachen, keine Quittung, Vorkasse, unglaublich diletantisch zusammengebastelte Buchten als Zimmer oder/und Zerfall desselben, Schmutz (Da gibts keinen Staubsauger!), Unwillen und Unfähigkeit irgendwas zu reparieren, extrem mangelhafte Hygiene (Ja, das ist eines der Länder wo sich die Menschen den Hintern mit der linken Hand abwischen und damit dann im Hackfleisch rumgraben), kein Toilettenpapier (Zur Sicherheit hatten wir selber immer genug dabei), eine morgens unbesetzte Rezeption weil die noch Pennen (das ist dann der Vorteil von der Vorauskasse, daß man gleich abhauen kann), uvm. Das schreibe ich hier als Beispiel, weil ich genau das alles für einen Preis von 100 Euro in einer der teuersten Städte der Welt hatte.

Das soll jetzt aber nicht heissen das man jetzt Angst haben sollte in das Land zu fahren. Solche Begebenheiten sind Abwechslungsreich und Fördern das Bewusstsein extrem. Außerdem lernt man mit unterschiedlichsten Begebenheiten klar zu kommen. Marokko ist ein äußerst schönes Land und die Bewohner sind äußerst nette und hilfsbereite Menschen. Ich war mal 2011 in Marokko in einer echt schlimmen Gegend und dachte mir ob die einen jetzt hier Umbringen oder Entführen oder wer denn das auf der Welt tun würde.

Der Gedanke war fern und doch so naheliegend wenn man sich mal darauf besinnt wie es Ausländern in Deutschland geht. Als Afrikaner würde ich Deutschland auf keinen Fall besuchen, da mich dort Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit bedrohen würde. Ich glaube in Deutschland sind in den letzten Jahren mehr Anschläge und Morde an Ausländern begangen worden als auf Deutsche irgendwo in der Welt. Mal ganz zu schweigen von der Zeit zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Menschen dort sind meistens bitter Arm. Da sieht man Kinder ohne Gliedmaßen auf der Straße sitzen und Betteln. Andererseits trifft man Abzocker, was aber einen nur wirklich geringen Anteil der Einheimischen beträgt.

Hier gilt ist zu differenzieren und keine Pauschalurteile auf die Bevölkerung zu stellen. In Europa zocken uns Banken mit Milliarden an Steuergeldern und andern, ohne das sich jemand ausser ein paar Minderheiten beschweren. Also seid dafür offen und lernt auch mal aus negativen Erfahrungen. Ich kann dieses Land nur jedem Empfehlen. Heute im Jahr 2016 ist es leider das einzige Nordafrikanische Land in dem man sich frei und sicher bewegen kann. Wie gerne würde ich durch die grenzenlosen Weiten der Sahara durch Algerien und Lybien fahren. Vielleicht wird das aber mal wieder.


Zum ersten Tag…

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