🇲🇦 2015 Marokko – Tag 9 – Ouarzazate / Mhamid

Die Nacht im Hotel Nadia war recht seltsam. Das lag vielleicht an der etwas schäbigen Ausstattung des Zimmers. Irgendwie gab es auch anscheinend Bettwanzen. Wir fuhren ins Zentrum auf die Hauptstrasse, die wie immer irgendwie Mohammed V oder so hieß, direkt beim Hotel Royal. Neben dem Hotel war ein Kaffe in dem es auch Frühstück gab. Wir setzten uns, bestellten und warteten irgendwie ewig. So ein Omlette und, Kaffee ist jetzt kein Hexenwerk und Gäste waren auch kaum da. Schließlich musste ich später noch reingehen zum Bezahlen um das Ganze zu beschleunigen.

Direkt gegenüber gibts einen Liquor Store. Der ist irgendwie nicht richtig versteckt, aber auch nicht direkt erkennbar. Falls den jemand sucht, der ist so ziemlich direkt gegenüber vom Hotel Royal. So in etwa. Wir deckten uns mit reichlich Bier und Wein für die nächsten Tage ein. Für die nächsten Tage bis Marrakesch wusste ich keinen Laden mehr und sollte es vielleicht auch nicht mehr geben. In dem Laden sieht man recht viele Wüstenfahrer. Anschließend begaben wir uns zu der alten Kasbah und sahen uns diese für vielleicht 20 Dh pro Person ohne Führer an. Irgendwie mussten die Menschen damals 1 m groß gewesen sein. Allerdings hatten sie recht gut erkannt wie man mit den Temperaturen umgehen kann indem man Innenhöfe baut.

Die dicken Lehmmauern halten erstaunlich kühl, was sonst nur mit aufwendiger Dämmung erreicht werden kann. An manchen Decken waren uralte Schnitzereien. So nah am Draa gelegen muss das mal eine unglaublich wohlhabende Gegend gewesen sein, zumal auch die Karawanen nach Timbuktu über Zagora durch mussten. Aber vielleicht sind die gar nicht so weit gegangen. Ab jetzt sollte es Landschaftlich wieder interessanter werden auf der Fahrt. Die Strecke ging durch die Neustadt hinaus in Richtung Zagora mehr oder weniger am Draa entlang. Die ganze Zeit kamen uns LKW mit Melonen beladen entgegen. Das waren unglaublich viele LKW über die Stunden an Fahrt nach Zagora. Zwischendurch hielten wir immer wieder mal an interessanten Stellen an. 2011 konnte ich das so nicht machen. Links waren Palmen und der Draa und rechts Wüste.

Bei einem kleinen Jungen hielten wir an um Datteln zu kaufen. Die Gegend ist dafür bekannt und die Datteln schmecken unglaublich frisch. An einer interessanten Ausblickstelle hielten wir wieder an. M hatte sich vorgenommen den kleinen Hügel neben der Strasse zu erklimmen. Ich zog es vor da zu bleiben und mich etwas zu erholen und in die Gegend zu glotzen. Daraus wurde allerdings nicht wirklich was, da einer im Bubu aus einem Loch hinter dem Berg gekrochen kam und mir ein Körbchen mit Pfirsichen andrehen wollte. Der ließ echt nicht locker bis wir wieder fuhren. Ich konnte noch so oft nein sagen, aber er versuchte es immer wieder. Irgendwann kam M zurück und wir fuhren weiter.

An einem anderen hübschen Aussichtspunkt über das Draa-Tal waren einige Buden in denen auch irgend welche Tonwaren ausgestallt waren. Weit und breit war allerdings niemand zu sehen. Uns interessierte aber mehr der Ausblick. Irgendwann kamen wir in Zagora an. Ich hatte die Stadt eher provinzieller in Erinnerung. Hier sah es diesmal schon fast modern aus. Irgendwie schien es mir, dass sich in den letzten Jahren viel Bautätigkeit entwickelt haben musste. Wir tankten und suchten irgendwas zum Mittag, fanden aber nichts. Wir brauchten noch Wasser und andere Sachen, fanden aber auch den Supermarkt nicht. Irgendwo in der Stadt fanden wir aber dann einen kleinen Laden und deckten uns dort mit allem ein und verzichteten auf das Mittagessen.

Mittlerweile hatten sich im Auto unglaublich viele 5L Kanister mit Wasser angesammelt. Bei den hohen Temperaturen und zum generellen Erfrischen ging aber auch eine Menge davon pro Tag drauf. Kurz hinter Zagora hielten wir in einem Kaff in dem nichts los war um mal in einen Tonwarenladen zu schauen. Alles war grün glasiert. Wir namen kleine Präsente mit und fuhren weiter. Die Strasse war auf einmal wieder komplett leer. Irgendwo in dem weiten Tal hielten wir kurz an. Ein mittlerer Sandsturm wehte und deckte alles sofort mit Sand ein. Weiter ging es über einen kleinen Pass über den ich 2011 schon gefahren bin und der einen tollen Ausblick in das wüste Draa-Tal liefert. Ich hatte den AUsblick allerdings anders in Erinnerung.

Überall lag Müll herum und am Hang war Schutt und Steine. Irgendwie gabs da auch ein Tor an dem auch einige Graffitti waren. Wir fuhren weiter. Es kamen zwei Schilder mit der Aufschrift “Attention Desert” und einigen Hinweisen wie man sich verhalten soll. Am Straßenrand war ein Schild mit Vorsicht Kamelen. Kurz darauf kam schon ein weiteres Kaff. Ich hatte das noch anders in Erinnerung. Irgendwie hatte auch hier eine starke Bautätigkeit eingesetzt, so dass es diesmal eine kleinere Stadt war. Alles war schon wesentlich mehr Wüste, allerdings Landschaftlich nicht so richtig ansprechend. Alles erinnerte mehr an eine riesige dreckige Baustelle. Wir fuhren weiter nach Mhamid durch die Wüste.

Nach kurzer Zeit erreichten wir die etwas bewachsenere Zone vor Mhamid, die recht ansprechend war. Wir musssten uns nun auf die Suche nach einem Hotel begeben und gelangten direkt zur Kreuzung in Mhamid. Wie schon das letzte mal warteten einige Menschen auf Mopeds auf irgendwen. Einer sprach uns direkt auch an, wobei ich nicht einmal das Fenster runter machte. Wir fuhren weiter Richtung Süden bis zum Ende der Strasse und wollten umdrehen. Der eine Mopedfahrer war uns gefolgt und ließ nicht locker. Ich öffnete nun doch das Fenster und er fragte ob wir irgendwelche Touris waren die er erwartete. Irgendwie versuchte er uns dann doch noch irgendwelche Touren anzudrehen. Wir fuhren zurück in die Vororte und schauten uns ein Hotel an. Das Hotel wurde von einere Französin geführt und war recht luxuriös und sollte ca. 50€ kosten.

Inbegriffen war eine Arte Bungalow, Pool, aber kein WLAN. Uns war der Preis etwas zu hoch aber nicht ausgeschlossen. Wir fuhren einige hundert Meter weiter auf der Suche nach dem Dar Azawd und landeten direkt gegenüber in der Kasbah Draa. Das Dar Azawd sollte laut Planet auch nicht gerade billig sein, so wie alle anderen im Reiseführer. Wir schauten uns deshalb das Kasbah Draa an, das außen einen recht stilvollen Anblick bot. Eine recht hübsche Terasse zum Glotzen an der Strasse und hinten einen kleinen Garten. Man merkte gleich, das das nicht so hochpreisig war. Nach kurzer Rückfrage stellte sich der Preis auch als annehmbar heraus. Es sollten vielleicht ca. 250 Dh mit Abendessen für zwei Personen gewesen sein.

Das Zimmer hatte uach alles, außer einen Fernseher den wir sowieso nicht brauchten. Ich erinnere mich noch das es aber kein WLAN im Zimmer gab. Irgendwie machte das Haus einen recht ursprünglichen Eindruch, ohne irgendwie zu arabischh zu sein. Irgendwie müssen da auch Europäer mit an der Leitung beteiligt sein. Es waren auch zwei davon vielleicht als Gäste oder so anwesend. Sonst schienen wir die einzigen zu sein. Der Hotelmensch war auf jeden Fall sehr nett, so dass ich hier gerne auf das Hotel verweise: http://www.kasbahdraa-sahara.com/ Das Zimmer hatte Klima und war äußerst geräumig und nett eingerichtet.

Zu der Zeit als wir ankamen war es draussen wieder extrem warm und wir schalteten gleich die Klima an um das Zimmer für die Nacht runterzukühlen. Der Hotelmensch gab uns noch den Tipp mal in Richtung Draa zu gehen und uns die alte Medina anzusehen. Das war tatsächlich kein schlechter Tipp. Ich erinnere mich noch das er uns fragte was wir hier wollen. Tatsächlich wussten wir das nicht. Normalerweise kommen nur Touris um in die Wüste zu fahren und um dort zu übernachten. Das wollten wir allerdings nicht. WIr fuhren soweit es ging in Richtung Draa zu der genannten Medina. Nirgends waren Menschen unterwegs, nur an einem Kanal wurde gebaut. Ich habe mir das später mal auf Satelitenbildern angesehen und vorher gar nicht gemerkt wie groß diese verlassene Medina eigentlich ist.

Wir stellten das Auto direkt am Eingang so ab, dass noch irgendein Auto durch konnte. Das war gar nicht so einfach, da die Medina schon äußerst eng war. Wir gingen geradeaus weiter in Richtung Süden durch die verfallene Medina bis es nicht mehr weiter ging. Am Ende war eine Art Kai und wie es sich später auf den Satelitenbildern herausstellte tatsächlich ein Kai am Wadi Draa. Gegen uns wehte ein starker Wind, der Unmengen an Sand heranwehte. An dem Kai war alles voller Sand. Mit dem Blick nach links und rechts sah man schon so etwas wie einen großen Wadi. Nach Süden allerdings waren nur Sandhaufen und vereinzelte Tamariskenbüsche. Später hatte ich den Draa weiter auf den Satelitenbildern verfolgt. Kurz hinter Zagora war er noch ein kleines Bächlein, hir aber war gar nichts mehr von fließendem Wasser zu sehen.

Das Wasser war wahrscheinlich unterirdisch und nicht in geringen Mengen, da hier auch Landwirtschaft betrieben wurde. Zu Zeiten der Schneeschmelze im Atlas musste das hier ein reißender Strom sein, der allen Sand fortspült. Aufgrund des starken Sandsturmes gingen wir wieder zurück in die Medina wo ein Schild mit einem Museum war. Leider befand sich keine einzige Person in der Nähe außer zwei alten Fraunen die irgendwo hockten. Wir gingen noch weiter durch die verfallene Stadt und merkten die unglaublich vorteilhafte Bauweise, da sich hier kaum ein Luftzug rührte in den engen Gassen und die Sonne nicht durchkam. Seltsam das diese wohl einst so mächtige und jahrhunderte alte Stadt anscheinend keine Bedeutung mehr besaß und im ewigen Sand am verschwinden war.

Die alten Lehmbauten, und daraus bestand die Medina, gehen bei jedem Regen ein bisschen mehr verloren. Wir gingen wieder in Richtung Auto, wo uns eine Ziegenhirtin begegnete die rasch wieder verschwand. Wir hatten mit unserem Hotelmenschen vereinbart, das es noch Tajine geben sollte. Wir fuhren das kurze Stück wieder zurück zum Hotel, stellte das AUto direkt an den Eingang und setzten uns zur Strasse auf die Terasse um bisschen glotzen zu können. Zwar wäre der Garten auch nicht schlecht gewesen, aber da gab es nichts zu sehen. Gegenüber waren einige Kinder und machten irgendwas. Die Tajine war anscheinend mittelmäßig, da ich mich nicht mehr daran erinnern konnte. Allerdings erinnere ich mich das es reichlich war. Nacch dem Essen gingen wir in einen Laden der direkt an der anderen Ecke der Kreuzung war und nutzten die Gelegenheit uns bei einem jungen Verkäufer in Ruhe in dem dunklen Laden umzusehen. Es gab allerlei Schmuck, Tonwaren und andere Kunstgegenstände die wir ausgiebig begutachteten.

Ich entschied mich für eine mittlere Tajine für 60 Dh. So ein Ding musste einfach als Mitbringsel sein, zumal direkt aus der Wüste in Mhamid. Irgendwie erschienen mir solche Sachen immer recht schmucklos, aber es ist doch immer wieder eine Freude zu Hause außergewöhnliche Dinge um einen herum zu haben. Bei meinen späteren Kochversuchen mit der Tajine musste ich auch noch feststellen wie praktisch sie ist. Einfach alles rein was man will, eine Stunde köcheln lassen und fertig ist die vollwertige und umfangreiche Mahlzeit, ohne sich um Töpfe und weiteres Geschirr kümmern zu müssen, da ja das Unterteil der Tajine gleichzeitig der Teller ist. M erstand noch einige Tücher oder so. Alles in dem Laden war voller Sand, aber trotzdem anscheinend neu. Zumindest die Tajine war es auf jeden Fall.

Später habe ich noch gelesen, dass man die Tajine vor dem ersten Gebrauch in Wasser einlegen soll damit sie sich damit aufsaugen kann. Beim ersten Mal tat sie das auch tatsächlich deutlich erkennbar an den aufsteigenden Luftbläschen aus dem Lehm/Ton-Gemisch, so trocken war es in Mhamid. Mittlerweile war es dunkel geworden und wir gingen auf das Zimmer Bier und Wein holen und setzten uns auf die riesige Dachterrasse. Ich erhoffte ja immer noch einen recht schönen Sternhimmel zu erblicken, was aber nicht so recht gelang, da hier einfach noch zu viel Licht war. Trotzdem sah das alles schon recht prächtig aus, gerade mit der ganzen orientalischen Umgebung. Auf dem Dach war es anfangs zwar warm, kühlte jedoch rasch ab.

Gerade in der Wüste sind die Temperaturunterschiede beträchtlich, weshalb die Menschen auf dem Dach und nicht im Haus schlafen. Ich ging mal aufs Klo ins Zimmer, wo zwar die Klima schon die ganze Zeit arbeitete, aber sich nur geringe Unterschiede zu draussen bemerkbar machten. Als ich wieder hoch kam war der Hotelmensch schon da mit meinem Bierbeutel in der Hand. Er fragt ob das mir gehört und ob er eines abbekommen kann. Natürlich gab ich ihm eines und ging wieder runter um ihn nicht weiter zu stören und beendete auch den Tag.


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