🇨🇳 2012 China – Tag 4 – 03.06.2012 – Jinan

Die Klima hatte während der Nacht fleißig und leise vor sich hin gearbeitet. Ich merke das früh immer erst wenn ich die Tür zum Gang aufmache, wie groß doch der Unterschied ist zwischen drinnen und draussen.

Auf den Strassen war so gut wie gar nichts los. Ich trank einige Cappu und ging ca. 30 min bevor der Zug losfahren sollte zur Station. Wie immer war alles in einen lockeren Nebel gehüllt, bei dem man ca. 5km weit sehen konnte. Der Nebel war sicherlich noch bisschen mit Smog vermischt, ich konnte das allerdings nicht unterscheiden. Nach dem absolut sinnlosen scannen des Gepäcks und dem Piepen des Metalldetektors ging ich in die wieder riesige Abfahrthalle und setzte mich ans richtige Gate. Ich glotzte grad was in der Gegend rum, als der Typ neben mir mich in gebrochenem Englisch was fragte.

Ich fragte zurück ob es da jetzt zum Boarding zu meinem Zug geht und verabschiedete mich. Der Zug war wie der am Tag vorher schon einige Zeit unterwegs gewesen. Ich bekam aber einen Platz für mich und mein Gepäck. Ich beschäftigte mich erstmal zwei Stunden mit Reiseaufzeichnungen, danach schaute ich im Raucherbereich aus dem Fenster in die neblige Gegend. Alles veränderte sich langsam immer mehr. Auf der Strecke zwischen Dalian und Xingcheng gab es Reisfelder, die ich eigentlich erst später erwartet hätte. Südlich ab Tijanjin bestand die Gegend plötzlich auf einem Schlag aus Pappeln und natürlich aus Feldern.

Der Mais war einen halben Meter höher und der Weizen schon fast erntereif. Im Laufe der Reise konnte ich einige Wochen im Zeitraffer laufen lassen. Einen Tag später sollte die Ernte von Weizen und Kartoffeln zu sehen sein, der Mais noch höher und Pappeln gegen andere Baumarten ausgetauscht werden die ich nicht kannte. Später war man schließlich dabei die Felder abzubrennen und schließlich waren sie schon alle abgebrannt. Ich hatte vergessen dass die Chinesen keine europäischen Tischsitten haben, so dass laut geschmatzt, geschlürft und gerülpst wird. Nicht das ich was dagegen hätte, es ist nur erstmal etwas seltsam. Ich hatte mir schon überlegt mal eins von den 3,5er Bieren auf ex zu trinken und dann mal richtig laut…Gegen Mittag war ich schon in Jinan angelangt.

Der Zug hielt blöderweise auf einem anderen Bahnhof als dem Hauptbahnhof. Das hatte ich allerdings erst nach der üblichen Orientierungsprozedur vor dem Bahnhof herausgefunden. Die Gegend und die Stadt sahen auf den ersten Blick nicht sehr ansprechend aus. Vor dem Bahnsteig an dem die ganzen Reisenden ankamen waren natürlich wieder die ganzen Taxibrüller am Werk. Ich ging etwas abseits zu den anderen Taxis und fragte nach dem anderen Bahnhof. Ein seltsamer Typ sagte mir daraufhin, dass er mich für 30 dorthin fährt. Ich wollte überhaupt keine Preisverhandlungen, sondern das er ganz normal das Taxameter benutzt.

Ich sagte trotzdem auf chinesisch 20, was die rumstehenden irgendwie witzig fanden. Der Typ bestand auf 30 und ich ging einfach ohne was zu sagen weg. Auf sowas hatte ich gar keinen Bock. 100 m weiter um die Ecke stand ein Taxi. Ich machte dem klar wohin ich wollte und fuhr die 5km zum normalen Preis für 9,5Y. Der Hauptbahnhof sah schon ganz anders aus als der kleine Westbahnhof. Reges Treiben herrschte hier. Ich entdeckte auch meine chinesische Hotelhausmarke, das Home Inn auf der gegenüberliegenden Seite des Bahnhofes.

Der Bahnhofsvorplatz war recht groß und zu drei Seiten mit hohen Häusern komplett zugebaut, was ein gewisses Engegefühl bescherte. Das Home Inn war fast vollständig ausgebucht. Ich hatte schon damit gerechnet das mal ein Hotel ausgebucht ist. Eine der Rezeptionistinnen konnte etwas Englisch, so das sie mir mitteilen konnte das es nur noch eines ohne Fenster gibt. Für eine Nacht war das für mich völlig unproblematisch, da ich nicht vor hatte stundenlang aus dem Fenster zu schauen, sondern halt nur später dann in den Bildschirm. Das Zimmer sollte deshalb diesmal auch nur 188Y kosten. Damit hatte ich auch gleich mal 5€ gespart, die ich für andere sinnlose Sachen ausgeben konnte.

Ich ging erstmal auf das Zimmer, das zwar ein Fenster hatte aber der Geräusche nach zu urteilen zur Putzkammer ging und nicht zu öffnen war. Diesmal gabs auf dem Zimmer keinen Wasserkocher sondern einen Wasserspender. Ich machte eine vegetarische Suppe auf und füllte mit heißem Wasser auf. Wie sich allerdings schnell herausstellte war das Wasser nicht richtig heiß, so dass die Glasnudeln gar nicht weich werden wollten. Ich schaute um das Gerät herum und stellte fest, dass es gar nicht eingeschaltet war. Ich schickte die toll aussehende Suppe ins Klo und machte mir eine neue auf die ich zum Glück noch bei mir hatte. Die Putzfrau hatte nun das Pech das rot gewordene Klo wieder sauber machen zu müssen.

Es war erst kurz nach Mittag und ich ging als erstes in den gegenüberliegenden Bahnhof um mir eine Fahrkarte nach Nanjing für den nächsten Tag zu kaufen. Hier waren wieder bei ca. 15 Schaltern jeweils 20-30 Personen. Es sah so aus als ob man sich für bestimmte Züge an bestimmten Schaltern anstellen müsste. Ich stellte mich einfach dort an wo am wenigsten Leute waren. Als ich dran kam wollte ich ihr grad alles klar machen, als die weggrannte um eine Kollegin zu holen die Englisch kann und damit die Menge hinter mir erzürnte. Ihr Englisch war jetzt auch nicht so toll und ich hätte das mit der vorher auch schnell abwickeln können. Ich nutzte allerdings die Gelegenheit um verschiedene Zugoptionen zu erfragen.

Ein D-Zug sollte 200Y nach Nanjing kosten. Ich sagte zu, merkte jedoch dass ich nur noch 195Y bei mir hatte. Das war echt Pech jetzt. Ich überlegte schnell und kam nicht recht auf eine Lösung. Ich konnte nach der Prozedur nicht weggehen und mir Geld holen und die Karte bezahlen. Eine Karte brauchte ich aber. Der Menge hinter mir gefiel das anscheinend nicht so sehr, da die Fahrkartenfrau oftmals was rausschrie. Ich musste nun also doch einen K-Zug nehmen. Ich ließ mir noch rasch die verschiedenen Abfahrtzeiten zeigen, wobei es aber eigentlich nur einen für 1117 gab, allerdings halt zur Hälfte des Preises vom D-Zug.

Die seltsame Fahrkartenfrau trug nun aber statt wie sonst meine Passnummer, irgendeine Nummer in das Namensfeld der Karte ein. Ich wusste nicht wo sie die hergezaubert hatte. Das war mir aber egal, da das sowieso niemand prüft. Ich nahm meine Karte und ging Richtung Süden weiter in das Stadtzentrum. Vorher besorgte ich mir noch links am Bahnhof eine Schachtel Taishan für 11Y. Die Stadt sah mit ihren vielen Bäumen am Strassenrand besser aus als mein erster Eindruck war. Es gab wieder viele kleine Geschäfte, diesmal mit teilweise größerer Abwechslung. So war z.B ein Briefmarkensammelladen dabei, der jedoch eine recht kleine Auswahl hatte. Das interessierte mich zwar nicht, war aber doch auffällig.

Die Stadt wird als weitläufig beschrieben und das ist sie auch. An einer Ecke befand sich ein Kaufhaus in dem sich der übliche Kram befand. Dazu gabsnun aber auch Tourikram und z.B. Teetassensets und Kannen und Teesets. Die Preise waren dort ausgeschildert, so dass ich mir einen Überblick über die Preislage machen konnte. EIn hochwertig aussehendes Set kostete aber auch um die 100€, was insbesondere Platzprobleme im Rucksack verursacht. Ich war ja immer noch auch auf der Suche nach Mitbringseln. Ich speicherte mir die Position auf dem Navi und ging weiter kreuz und quer durch die Seitenstrassen, möglichst die Hauptstrassen meidend.

Ich ging wieder zurück und setzte mich einige hundert Meter links vom Bahnhof an eine spannende Ecke, an der besonders viel los war um etwas auszuruhen. Mittlerweile schmerzten mir die Füße immer mehr, da ich jeden Tag mindestens 30 km ging. Es war mittlerweile 1700 geworden. An der Ecke fuhren Taxis durch eine Unterführung mitten durch die Stühle und die sitzenden Gäste eines Cafes hindurch. Irgendeiner hat mal einen Stein vor den hohen Bordstein gelegt und nun konnte wer wollte diese Abkürzung vom Bahnhof nach links nehmen. An der Ecke gab es auch viel Verkehr von Dreirädern, mal offen mal mit Kasten und natürlich Fahrräder, Mofas, Motorräder, die meisten Gefährte davon elektrisch angetrieben. Alle fuhren kreuz und quer durcheinander. Es gab ein nicht so ganz zu durchschauendes System dahinter. Ein Wunder nicht noch mehr Unfälle passieren. Verkehrszeichen sind eher Anhaltspunkte und werden eigentlich nur an großen Kreuzungen beachtet. Um mich herum begann einer langsam seinen Grillstand aufzubauen.

Ich sah nicht viel von dem was er mithatten, als ich aber seine am Wagen hängende Liste sah, war ich schon beeindruckt, wie vielfältig sein Angebot war. Mit Hilfe des LP konnte ich einige Zeichen identifizieren, um zumindest einige Tierarten, Gemüse und Fisch unterscheiden zu können. Es sah so aus als ob er alles mögliche dabei hatte, aber von jedem nur eine relativ geringe Menge. So hatte er von jedem nur eine kleine Tüte voll, ca. ein halbes Kilo. Er hatte kaum aufgebaut und den Grill noch nicht angeworfen, als auch schon drei Kunden da waren. Der erste bekam eine vegetarische Nudelsuppe. Ich saß praktisch direkt hinter dem Verkäufer am Stand und konnte ihm bei seinen beeindruckenden Fertigkeiten der Zubereitung zusehen.

Man konnte deutlich sehen, das er alles völlig routiniert und fast blind und sehr schnell machte. Die beiden anderen Kunden bekamen Fleischspieße vom Grill. Der Grill war ein ca. 2 m langer Kasten, der etwa 15 cm breit war. Darauf wurden Stahlspieße gelegt, das ganze mit Holzkohle befeuert. Der 2 m lange Grill erlaubte etwa 100 Spieße gleichzeitig zu rösten. Von den Spießen lässt man sich einige Stück geben, typischerweise 5 – 10 Stück. Ich sah den Verkäufer schließlich auch einen Fisch auspacken. Das Ding war weiß und hatte anscheinend die Konsistenz von Gummi. Zu dem Zeitpunkt dachte ich das es Fisch war. Ich fragte zur SIchherheit mal nach. Er sagt Yu Waschi, also irgendein Fisch. Es konnte aber auch ein Fischotter sein oder irgendwas anderes mit Fisch im Namen.

Er teilte mir noch mit das er das Ding aus dem gelben Fluß hatte. Ich weiß nicht wie ich das verstehen konnte, aber das ging. Ich bestellte 8 Spieße bei ihm. Auf meinen Wunsch wurden die recht würzig behandelt und waren auch schon nach 10 Minuten fertig. Der Fisch oder was auch imemr das war schmeckte nach rein gar nichts, hatte jedoch die eigenartigste Konsistenz, die ich jemals von einem Fisch gegessen hatte. Die Stücken waren knackig wie vielleicht Bambus, aber recht faserig. Als ich den ersten Bissen nahm, wusste ich wieder nicht so recht ob das nun ein Fisch oder eine Pflanze oder sonstwas war. Ich bekam auch noch ein Bie mit dazu, was auch von Nöten war, da die Würzmischung doch recht scharf, aber erträglich war.

Ich bekam noch einen Teller mit frischen Erdnüssen hingestellt, trank das Bier aus, zahlte 15Y und ging in den K-Mart am Bahnhof neben dem Hotel. Dort gab es das Tourizeugs das ich gesucht hatte. Ich nahm zwei Teegefäße für 25Y mit und erstand auch noch für mich einen Klappstuhl, der auch in einen kleinen Rucksack passt. Ich holte noch Früchte, Gebäck und weiteres Zeug und ging wieder zurück ins Hotel. In der Zwischenzeit hatte die Klima ordentlich gearbeitet. Ich dachte die geht wie immer mit dem ziehen der Karte aus, was aber diesmal nicht der Fall war. So hatte ich schöne 23 Grad in meinem fensterlosen Loch. Heute war Waschtag. Ich packte alle Klamotten unter die Dusche, gab einiges an Seife aus dem Spender oben drauf und behandlte den ganzen Haufen ordentlich mit heißem Wasser bis das ganze Bad naß und dreckig war. Das Zeug wurde zum Trocknen vor die Klima gehängt, worauf ich dann auch abmatten ging.


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