🇨🇳 2012 China – Tag 3 – 02.06.2012 – Tianjin

Ich stand ohne Probleme gegen 0430 auf. Nach dem Duschen packte ich mein Zeug zusammen, warf das Netzwerkkabel hinter den Tisch und verließ das Zimmer.

Draußen war es schon hell und kaum was los. Am Bahnhof war schon mehr los. Im Wartesaal warteten zahlreiche Reisenden. Da zwei Züge kurz hintereinander abfahren sollten fragte ich einen neben mir ob das schon die Boardingprozedur ist. Er sagte nein, kurz darauf aber wieder ja, da wohl beide Züge gleichzeitig eintreffen.

Auf dem Bahnsteig hieß aber dann erstmal 10 min warten bis der andere Zug wieder weg ist. Das war bisschen sinnlos. Abfahrt war dann gegen 0630. Der Zug war diesmal schon voll, da er wohl die halbe Nacht schon durchgefahren wahr. Auf meinem Platz lag jemand, den ich erstmal wach rütteln musste. Platz für meinen Rucksack gab es zum Glück auch. Die Fahrt sollte ca. 6h bis Tianjin dauern. Landschaftlich gab es gar nichts reizvolles zu sehen. Einzig die neuen Stadtteile mit Hochhäusern waren interessant anzusehen. Im Zug ging es ziemlich chaotisch zu. Andauernd kam im Gang ein Wagen mit Essen und Getränken vorbei. Manche müssen im Gang stehen oder dann gleich zwischen den Wagen im Raucherbereich. Auf den Tischen am Fenster befinde nsich Metallschüsseln die für den Müll gedacht sind.

Oftmals knabbern die Leute Sonnenblumenkerne oder Obst. Ganz beliebt sind eingepackte Würstchen und auch in Tüten eingeschweißte Hühnerfüße. Es wird fast immer und überall gegessen, wobei auch Müll auf dem Fußboden entsteht. Ständig kommt der Bahnmensch der für den Wagen verantwortlich ist mit einem Reisigbesen durch und kehrt den Müll vom Fußboden zusammen.  Die Temperatur in den klimatisierten Wagen ist für mich immer etwas zu kalt, so dass ich etwas mehr anziehe und dadurch auch etwas Platz im Rucksack sparen kann. Die Leute essen auch oft Tütensuppen in großen 750 mL Töpfen. Dafür gibts in den Wagen extra heißes Wasser. Ansonsten tun die Menschen gar nichts, vielleicht mal sich eine Weile mit dem Handy  zu beschäftigen oder die Musik vom Handy voll aufdrehen. Eine weitere Lieblingsbeschäftigung scheint das glotzen auf das zu sein was passiert, oder halt nicht passiert. Besonders ich bin dabei Gegenstand, wenn ich in mein Notizbuch schreibe oder im LP lese.

Man kann vom LP halten was man will, auf jeden Fall ist der eine enorme Hilfe wenn man sich ins unbekannte stürzt. Im China LP nervt nur die unsinnige Wörtersammlung als Übersetzungshilfe. In den Wagen wird überall Zeug gestapelt, außer im Mittelgang, da dort ja ständig jemand mit Essenswagen durchkommt. Es gibt unterschiedliche Zugkategorien. Die schnellsten mit A, den ich gefahren bin mit K. Das dürfte so ziemlich die niedrigste Kategorie gewesen sein, obwohl es auch welche gab die keine Buchstaben hatten sondern nur Nummern und die auch keine klimatisierten Wagen hatten, weil ich gesehen hatte das die Fenster zu öffnen gingen. Ein D kostet ca. doppelt so viel wie ein K Zug, ist aber unter Umständen einige Stunden schneller und auch komfortabler als ein K Zug. Der K ist in etwa vergleichbar mit einem deutschen IC. Wegen des rumgedrängels und der Verständigungsprobleme hatte ich jedoch nie die Chance bis jetzt, irgendwas anderes zu buchen als irgendeinen Zug.

Die Gepäckablagen im K sind auf jeden Fall voller Taschen, Säcke und Fässer. Man muss Glück haben um noch Platz für sein Gepäck zu finden. Unter den Sitzen gibt es auch noch Stauraum, der aber oft schon belegt ist. Viele füllen auch oftmals ihre durchsichtigen Plastikflaschen für grünen Tee mit Wasser auf. Der K hält ca. alle 30 min an einem kleinen Bahnhof an. In Tianjin kam der Zug der Zug relativ pünktlich an. Bei der Einfahrt in den Bahnhof sa ich das dem nicht so richtig an, so dass ich fragen musste. Vom ersten Gleis ring es wieder seitwärts aus dem Bahnhof raus. Hier gabs wieder einige Taxi- und Busplärrer. Nach dem langen sitzen im klimatisierten Wagen war die Mittagssonne ganz angenehm. Ich schätzte um die Zeit ca. 26 Grad. Ich wusste wieder mal nicht so recht in welches Hotel ich gehen sollte, ging aber dann über die große Brücke am Bahnhof in Richtung Stadtmitte.

Die Stadt machte einen außerordentlich modernen und sauberen Eindruck. Nach nur wenigen hundert Metern stand ich seltsamerweise vor einem HomeInn, in dem ich in Dalian schon abgestiegen bin. Das Zimmer sollte 219Y kosten. Hier wusste ich wenigstens was ich habe, nämlich ein sauberes Zimmer mit internet und warmer Dusche. Ich legte erstmal das Gepäck ab und nam eine Nudelsuppe und einen Cappu zu mir. Außerdem präparierte ich meinen Rucksack mit einer Plastiktüte so, dass ich nach meiner Wiederkehr sehen musste wenn jemand daran gewesen wäre. Ich machte ein Foto davon um das dann später vergleichen zu können und ging raus mit einer Plastiktüte, in der sich LP und Kippen befanden.

Der LP diente dabei als Kommunikationshilfe- und Orientierungshilfe. Mit meinem Navi war das ein ausgezeichnetes Zusammenspiel um sich zu orientieren. Ich hatte natürlich wieder vergessen eine Karte für den Zug zu kaufen und ging die wenigen hundert Meter wieder zurück zum Bahnhof. Auch hier klappte es ohne Probleme innerhalb kürzester Zeit eine Fahrkarte für den folgenden Tag nach Jinan zu bekommen. Die Karte mit dem K kostete 55Y, was ca. 7€ waren für die 370 km lange Strecke weiter nach Süden. Ich nahm wieder einen Zug gegen 0630 um schon recht zeitig da zu sein. Ankunft sollte 1130 in Jinan sein.

Ich ging wieder zurück in die alte Stadtmitte, weiter über eine breite Strasse ins Stadtzentrum. Hier gab es bei mehreren sich kreuzenden Strassen, alles was es auch sonst wo in solchen Einkaufsvierteln gibt. Ich ging weiter durch die Seitenstrassen, die bei weitem interessanter waren und mit Fressbuden vollgespickt waren. Ich hatte schon eine Weile nichts gegessen, aber wieder gab es nur Fleisch und ich konnte nicht richtig erkennen was das eigentlich alles war. Der Andrang war mir dort aber zu groß und ich ging kreuz und quer durch die zahlreichen kleinen schattigen Seitenstrassen abseits der grossen Einkaufsstrassen. An einer Ecke entdeckte ich einen Sushiladen. Man kontne sich einzelne Sushi zwischen 1-3Y aussuchen oder eine Box mit 10 Stück für 10Y. Ich entschied mich für die Box und setzte mich auf eine schattige Bank.

Zwar hatte ich überhaupt keine Ahnung was ich da gegessen hatte, es schmeckte aber ganz hervorragend, so dass ich noch mal zurück ging und zweitere Boxen für später kaufte. Weiter gings durch die Seitenstrassen, wobei sich das Bild wiederholte. Zahlreiche kleine Geschäfte mit allem möglichen Zeug, Fressbuden. Ich war eigentlich auf der Suche nach Mitbringseln, konnte aber immer nur das gleiche finden. Grills, Spätis, Metallwarenbuden. Nachdem ich lange Zeit sehr weit durch die Gegend gelaufen war ging ich zurück Richtung Fluß auf die Seite der Brücke wo sich einige Nackskulpturen befanden und aß eine weitere Packung Sushi. Gegenüber war grad ein Hochhaus im Bau, das schon jetzt 50 Stockwerke erreichte.

Im Hotel zurück versuchte ich mich kurz an der Internetanbindung. Diesmal ging so gut wie gar nichts. Der Chat auf meiner Seite wurde von einer chinesischen Seite okkupiert. Andere öffentliche Chaträume waren auch nicht zugänglich. Viele Seiten gingen schnell zu laden, andere brauchten ewig oder gingen überhaupt nicht. An Upload von Bildern war schon gar nicht zu denken. Ich konnte allerdings einige Emails ausstauschen und ging wieder zurück zu der Brücke um ein Bild von der Stadt bei Nacht zu machen. Vorher hatte ich noch in einem Laden in einer Seitenstrasse ein Mitbringsel in Form eines Teegefäßesaus Keramik gefunden. So eine Art Teeschale mit Kerzenhalter aus Keramik, was auch gar nicht teuer war.

An den Hochhäusern gab es wieder riesige Displays die die ganze Stadt beleuchteten. Im Späti gegenüber vom Hotel wollte ich mir noch Kippen kaufen. Der Typ wollte 65Y für eine Schachtel Taishan wo ich sonst nur 10 zahle. Dabei ist mir vor Lachen ein Bier runtergefallen, was aber mit einem korrekten Preis, also ca. 4Y mit dazugerechnet wurde. Der Tag wurde dann mit zahlreichen weiteren erfolglosen Versuchen Bilder hochzuladen beendet.


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