🇲🇦 2011 Marokko – Tag 9 – Taroudant

Nach Sonnenaufgang machte ich mich für den Tag klar. Ich schnappt mir mein Zeug und ging zum Bezahlen nach unten. Das Hotel hatte im Erdgeschoss ein Cafe. Im Hotelpreis war Frühstück enthalten. Das war ja mal ganz was neues. Ich setzte mich also auf die Terrasse, die direkt an einer Ecke zwischen Straße und Wadi lag. Es gab typischen Kaffee, dazu Fladenbrot, Marmelade und Butter. Gemütlich ging ich die weitere Reise an. Ich dachte noch daran einen Bus oder ein Taxi direkt nach Taroudant zu finden. Mittlerweile wärmte die Sonne schon wieder etwas mehr. Nach dem Bezahlen ging ich schließlich direkt zu dem Platz wo ich am Tag vorher ausgestiegen bin. Hier gab es einige Taxis aber keine Busse.

Ich setzte mich irgendwo in die Ecke und beobachtete eine Weile das ganze Geschehen. Irgendwie tat sich nicht so richtig viel. Irgendwann fragte ich einen Taxler nach Taroudant. Der machte mir klar das heute nichts mehr fährt. Also kein Bus und kein Taxi. Also musst ich wieder zurück nach Tiznit und dann den selben Tag noch weiter nach Taroudannt wenn es die Zeit noch erlauben sollte. Ich war aber zuversichtlich, da es noch weit vor Mittag war und wenn nicht, dann halt nicht. Irgendwann gab es schließlich ein Taxi das nach Tiznit fahren sollte. Ich merkte das hier nicht so richtig Verkehr ist.

Das Taxi mit 7 Reisenden zu füllen dauerte dann auch noch eine Stunde bevor wir los konnten. In der Zwischenzeit machte ich es mir ein einem recht anschprechenden Cafe auf der Terrasse gegenüber den Taxen bequem. Irgendwann hieß es dann Zid! Zid! (Auf gehts!) vom Taxler und die Fahrt konnte beginnen. Diesmal fuhren wir in einem alten Peugeot, was auch immer das für ein Fabrikat war. Das alte Gerät bot jedenfalls Platz für 8 Personen und Gepäck. Vor mir saß ein Sensenmann. Ich saß am Fenster ganz hinten. Ich versuchte vergeblich durch die recht verschmutzten Scheiben ein paar Fotos zu machen, da die Serpentinen wieder recht ansehnlich waren. Allerdings kommt das auf Fotos sowieso nicht so recht rüber.

Irgendwann gabs plötzlich eine kurze Pause. Das war mit dem Taxi mal was ganz außergewöhnliches, da der versuchte so schnell wie möglich zum Ziel zu kommen. Die Frau von ganz vorne musste sich übergeben. In der Zwischenzeit glotzte ich in der Landschaft rum bis es wieder hieß Zid! Die Fahrt mit dem Taxi ging wesentlich schneller als mit dem Bus am Tag vorher. Das ist auch nicht verwunderlich, kann der Bus die steilen Strassen nach oben auch kaum Geschwindigkeit aufnehmen. Ich vermute das ging in etwa doppelt so schnell wie mit dem Bus. Als erstes ging es wieder durch das Tal im Antiatlas, kaum merklich ansteigend. Dann ging es sehr steil über Serpentinen nach oben, weiter auf einem Pass und dann wieder nach unten auf Meereshöhe. In Tiznit angekommen suchte ich mir auch gleich den Stand für die Taxen nach Taroudant. Den fand ich auch gleich, da immer jemand rumsteht und laut schreiend auf sein Fahrtziel aufmerksam macht.

Es dauerte ca. eine halbe Stunde und die Fahrt konnte wieder Richtung Norden gehen. Nach ca. 2,5 Stunden erreichten wir Taroudant an einem südlichen Tor zu dieser alten Stadt. Die Stadt war wieder typisch rötlich und mit einer Mauer und entsprechenden Toren umgeben. Vor dem südlichen Tor befand sich nun der Bus und Taxisammelplatz, auf dem auch einiges los war. Die Sonne war noch nicht untergegangen. Durch irgendeine blöde Idee ließ ich mir eine Busfahrkarte für den nächsten Tag nach Ouarzarzate andrehen.

Ich weiß nicht mehr wie ich dazu gekommen bin, jedenfalls zahlte ich irgendwas um die 80 Dh dafür und regte mich innerlich etwas über meine Blödheit auf. Was wollte ich den jetzt schon mit dem Ticket, schränkte sie doch meine Beweglichkeit ein. Die Fahrt sollte am nächsten Tag gegen 1300 abgehen. Ich erhielt wieder einen ominösen kleinen Zettel auf dem die Zeit, die Busfahrgesellschaft und der bezahlte Betrag stand. Ich hätte mich einfach am nächsten Tag dort einfinden können und irgendwann gemütlich mit irgendwas weiterfahren können. Aber vielleicht war der große Umweg vom Tag ein Grund dafür, was aber überhaupt nicht angebracht war, da die Strecke nach Osten eine der südlichen Hauptrouten Richtung Sahara ist.

Ich fühlte mich auch kurz etwas über den Tisch gezogen, kann doch schließlich jeder so einen Wisch gegen Geld ausstellen. Das sollte aber völlig unbegründet bleiben. Die ganze Zeit ist nichts vergleichbares passiert. Ich ging also durch das Tor in die alte Medina der Stadt, welche recht sehenswert ist. Angeblich soll es hier eine weit ruhigere und weniger Tourimäßige Medina geben als in Marrakesch, aber trotzdem mit vergleichbarer Größe. Ich versuchte mich an der LP-Karte zu orientieren um mir einige Hotels anzusehen. Nach 10 min hatte ich mich hoffnungslos verirrt, obwohl die Strassen recht breit waren und ich musste versuchen den gleichen Weg wieder zurück zu gehen um von neuem anzufangen. Irgendwie ging das bei mir erstmal überhaupt nicht mich in dem unübersehbaren Gassen zurechtzufinden.

Ich musste ständig nachschauen, zurück, nachfragen und alles wieder von vorn. Strassenschilder und Bezeichnungen gibts natürlich nicht, so dass ich mich nach einigen Hotels oder Geschäften richten musste wo ich eigentlich bin. Dadurch lernte ich wenigstens etwas von der Stadt kennen, obwohl es langsam dunkel wurde. Das bedeutete aber nur das noch mehr Menschen unterwegs waren. Irgendwann hatte ich irgendein Platz und ein Hotel an dem Platz gefunden. Das Hotel sah etwas aus wie 19. Jahrhundert aber recht nett eingerichtet. Ich hab dafür bestimmt nicht mehr als 100 Dh gezahlt, weiß aber nur das es in Taroudant teuerer war als vorher. Auch hier gabs Gemeinschaftsklo und Gemeinschaftsdusche.

Mein Zimmer, das ich vorher natürlich besichtigte war etwas seltsam, aber nicht schlecht. Im Grunde bestand es aus einer kleinen Kammer mit dem typisch großen Doppelbett und einer Art Balkon in Richtung einer Mittelalterlich wirkenden Gasse. In dem Zimmer kam ich mir vor wie im Mittelalter, aber in Europa. Zum Glück gab es Strom und ließ meine Geräte um Aufladen zurück und zog erst mal raus um mir was zu Essen zu besorgen. Ich verlief mich wieder schrecklich, um im dunklen wieder 50 m auf dem Platz vor dem Hotel zu sein. Neben meinem Hotel war ein etwas höher preisiges, dass eine ganz tolle Dachterrasse hatte, von der man sicher die ganze Stadt übersehen konnte. Ich ließ mich erstmal an einem Stand nieder und guckte in die Töpfe das Nahrungstandlers. Irgendwas sagt mir zu, ich zeigte darauf und erhielt eine Schüssel von einem äußerst leckeren Kichererbsengericht, so dass ich mich gestikulierend beim “Wirt” dafür bedankte. Das ganze hatte auch nur 10 Dh gekostet. Dazu gabs natürlich auch wieder Tee.

Danach ging ich wieder weiter durch die Stadt. Ich wollte nichts kaufen und glotzte nur bisschen in der Gegend rum. Es gab im Grunde nichts anderes als sonst wo im Lande und ich brauchte nichts. Ich suchte mir ein Internetcafe heraus und surfte erst mal für einige Zeit im Netz, beantwortete einige E-Mails. Mittlerweile war es schon recht spät geworden, aber ich wollte noch meine Notizen anfertigen. Ich setzte mich also in ein vom LP empfohlenes Restaurant zu einer Flasche Wein. Die Kneipe war besonders toll. Überall bunte gemusterte Fliesen an Wänden und Decken. Im Fernseher lief Al-Dschasira, so dass ich mich nach einiger Zeit auch mal wieder mit Bewegtbildern aus der Welt versorgen konnte. Natürlich konnte ich da auch den Raum zuqualmen wie ich wollte, kein Vergleich mit vielen anderen Ländern auf der Welt. Nach dem Wein, der natürlich aus Marokko kam wankte ich schließlich ins Hotel zurück und beendete den Tag. Nachts wachte ich noch einige Male durch die Lauten Geräusche von einigen Jugendlichen auf, die irgendwie halt recht laut waren. Das Ganze konnte ich aber nicht richtig zuordnen.


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