🇲🇦 2011 Marokko – Tag 7 – Sidi Ifni / Legzira

Ich erwachte gegen 0800 vom lauten Beben der Wellen die gegen die vorgelagerten Felsen schlugen. Ich machte mich frisch, hatte ganz ausgezeichnet geschlafen und von dem abendlichen Pseudosalmonellenanfall war nichts mehr zu spüren. In der Gemeinschaftsdusche gabs genügend warmes Wasser, so dass ich mich nach der doch recht kühlen Nacht etwas aufwärmen konnte, zumal niemand weiter in dem Hotel zu sehen war und erst recht nicht auf dem Gang. In der Dusche gabs natürlich kein Licht, aber ich hatte Kerzen dabei. Zusätzlich duschte ich noch einen Satz Klamotten, da mit zwei Sätzen Kleidung voraus gedacht werden musste.

Die Klamotten hängte ich über die Brüstung meiner Terrasse zum trocknen in die Sonne. Danach fragte ich die recht jungen Hotelangestellten nach einer Möglichkeit wie ich am besten nach Sidi Ifni gelangen könnte. Ich hatte spontan beschlossen hier noch eine Nacht zu verbringen. Mir wurde gesagt, dass ein Bus an der Hauptstrasse fuhr. Ich ging also ohne zu Essen an die Hauptstrasse und machte dort das hier erste Bild bei dem deutlich zu erkennen ist, dass eigentlich nichts weiter zu erkennen ist. Nach einiger Zeit kamen noch die Italiener und Italienerinnen mit denen ich kurz sprach bis tatsächlich ein Bus vorbeikam. Der Bus kostete 5 Dh nach Sidi Ifni und fuhr zum “Busbahnhof”. Das war ein riesiger Platz ohne irgendwas.

Mittlerweile war es recht heiß geworden. Das hatte ich zwar erwartet aber doch nicht gedacht. Neben dem großen Platz gab es zahlreiche Cafes aber schon überhaupt nicht mehr in einem touristischen Stil. Ich konnte zwar erkennen, dass die Stadt einiges tat um touristisch zu wirken, trotzdem war alles recht dörflich. Außer der Strasse neben dem Platz wirkte alles noch recht ursprünglich. Alles insgesamt hatte aber rein gar nichts mehr zu tun mit Marrakesch, Essaouria oder Agadir. Eher war das ein besseres Inezgane mit Meer und doch einigen französischen Rentnern. Ich ging eine Weile durch das recht kleine Zentrum der Stadt, welches sich in der Nähe des großen Platzes befand als ich schließlich einige Mofas vor einem Laden stehen sah.

Spontan fragte ich was denn so ein Gerät zur Miete für einen Tag kosten sollte. Hier tat sich zum ersten Mal eine Sprachbarriere auf, da Englisch hier überhaupt nicht weiterhalf. Zum Glück stand neben mir grad ein Englisch- und Arabistiklehrer aus der ansässigen Schule. Das ganze sollte 12€ pro Tag kosten. Ohne zu überlegen willigte ich ein und unterhielt mich noch kurz mit dem Lehrer über die Probleme in seiner Schule. Keine Stifte und Blätter waren sein Hauptanliegen. Ich musste noch eine Kopie von meinem Ausweis machen und ging in einen “Copyshop” um die Ecke, wo ich auch gleich ein Internetcafe sah. Ich machte mir gleich noch einige Kopien mehr und ging wieder zurück. Mittlerweile wurde mein Mofa grad getestet und aus Plastiktrinkflaschen mit rotem Sprit betankt. Ich wusste nicht wohin ich fahren wollte und genau deshalb ließ ich mir noch eine 2L-Flasche mit dem Brennstoff als Reserve auf den Gepäckträger schnallen. Nach Bezahlung und einer kurzen Einweisung gings los.

Ich war vorher noch nie Mofa gefahren und das Starten bereitete einige Probleme, so dass ich recht weit rennen musste bis ich das mit dem Choke und Gas geben usw. kapiert hatte. Später sollte das dann auf zwei Meter gehen. Bevor ich losfuhr drückte mir der Verleiher noch einen Helm in die Hand. Ich lehnte ab und er schnallte mir das Ding an das Mofa. So fuhren fast alle durch die Gegend und wenigstens dabei sollte man einen haben verstand ich ihn. Später merkte ich das das schon so stimmte. Niemand hatte einen Helm auf aber dabei war er fast immer. Ich zündete mir eine Zigarette an und düste erstmal durch die Innenstadt und etwas weiter ausserhalb umher um das Gefährt kennenzulernen das max. ca. 50 kmh brachte.

Ich fuhr Richtung Legzira nach Norden aus der Stadt raus und hielt links an einem Imbißstand da ich noch nichts gegessen hatte. Der Imbißstand bestand aus einem durchsichtigen Zelt und einer Hütte. Auch hier ging mein Englisch nicht weiter und ich griff zum meinem LP Französisch und machte ihm begreiflich das ich einen Imbiss möchte. Das einzige was ich richtig zuordnen konnte war Omlette und das war auch genau richtig. Ich bestellte noch einen Tee dazu. Der Tee kam sofort in einer Kanne und irgendwie hatte ich mir es schon einverleibt den Tee aus hohen Bögen in das Glas zu schütten. Ich dachte mir das es doch etwas idiotisch sei, aber so ists halt Sitte. Dazu gabs auch einen 100g Block Zucker von dem ich nur ein wenig nahm.

Nach kurzer Zeit kam das Omlette in einer Pfanne. Das waren ca. drei gebratene Eier mit ein paar Ecken reingeworfenem Schmelzkäse. Genau richtig für mich. Kostengünstig und schmackhaft. An dem Ort wurde ich sowieso schnell enttourisiert. 1. Kein Englisch mehr (später half nur noch arabisch) , 2. das hohe eingiessen des Tees und 3., was später ständig sein sollte: Kein Besteck! Zum Omelette gabs Fladenbrot, mit dem ich versuchte das angebrannte Ei von der Pfanne zu bekommen. Ich bin da nicht so zimperlich, insofern ging das irgendwann ganz gut und schmeckte mit dem Tee ganz hervorragend. Später sollte ich das fast nur noch essen und das klappt dann nach etwas Übung auch ganz gut ohne Besteck. Das braucht man überhaupt nicht, kostet nur Wasser und das gibts in der Wüste nicht.

Ich drehte wieder um und fuhr den kleinen Berg runter bis nahe auf Meereshöhe und diesmal nach links die Strasse aus der Stadt entlang. Links war ein Wadi und rechts ging es kleinere Hügel hinauf. Gebäude waren keine mehr zu sehen. Kurzfristig beschloss ich einfach mal von der Strasse abzufahren um einen Feldweg am Hügel rechts nach oben zu fahren. Der Weg war gut ausgefahren, so dass ich nur wenig Anstrengung brauchte um da hoch zu kommen. Oben waren einige kleine Häuser, die vielleicht einen Bauernhof darstellen sollten. Links standen zahlreiche Kakteen. Der Bauernhof war bewohnt und ein Hund bellte aus der Ferne. Er getraute sich nicht so richtig ranzukommen. Ich lies den Motor auch laufen und schaute nur Richtung Sidi Ifni, das sich unterhalb Richtung Meer ausbreitete.

Da is mir hier etwas ungemütlich vorkam fuhr ich wieder Richtung Strasse nach unten. Dabei gab es einen tollen Ausblick Richtung Westen. Gegenüber sah ich einen kleinen Hügel mit einer weiteren Piste hinaufführend. Spontan beschloss ich da ich nichts anderes zu tun hatte, da hinauf zu fahren um die Aussicht zu geniessen. Außerdem hatte ich noch nie einen Berg/Hügel mit einem Mofa befahren. Ich fuhr die Strasse Richtung Westen und die nächste Abfahrt links weg. Hier begann wieder steinige Piste. An einer Weggabelung ging es geradeaus irgendwohin weiter, ich bog links ab den Berg hinauf. Die Piste wurde immer schlechter. War ich am Anfang noch vorsichtig bei faustgroßen Steinen, sollte sich das später als Kinderspiel herausstellen.

Die Piste wurde bergauf immer schlechter und die Steine immer größer. Irgendwann war das fast nur noch Geröll über das ich Anfangs noch sanft, später immer aggressiver drüber bretterte, da es doch recht steil bergauf ging und die Maschine keine Kraft hatte. Ich musste öfters Absteigen und das Gerät bei laufendem Motor und Gasgeben hinaufbefördern. Hier kam ich ordentlich ins Schwitzen und zweifelte an dem Erfolg meiner Absicht. Irgendwie ging es aber doch und ich erreichte den Gipfel. Von dort gab es eine herrliche Ansicht über alle Himmelsrichtungen. Von dem auf dem Gepäckträger geschnallten Getränk nahm ich reichlich und schaute mich auf dem Berg um. Interessanterweise gab es überall verschüttete Ruinen die von verlassenen alten Gebäuden zeugten.

Ich konnte nicht erkennen was das mal gewesen sein mochte, da sich die Ruinen größtenteils nur durch Gräben bemerkbar machten. Ab und zu sah ich altes Mauerwerk. Nach etwas Umherwandern begab ich mich schließlich wieder auf die Abfahrt. Die war zwar weit weniger Anstrengend, aber insgesamt wurde das Mofa ca. 10 Jahre gealtert durch den Abstecher. Ich machte mir schon Sorgen ob ich irgendeine Panne haben sollte die mich zwingen müsste zu Fuß zurück zu gehen. Da ich ständig stehen musste, sowohl bergauf als auch bergab, wurde der Lenker etwas schwach und bog sich nach unten. Das ging aber zum Glück durch hochbiegen wieder zu machen. Mittlerweile war die Zeit wieder recht weit fortgeschritten da es auch gegen 0600 schon dunkel wurde.

Ich fuhr wieder durch die Stadt und dann weiter nach Legzira. Ich legte mich kurz an den Strand und beobachtete die gegenüber untergehende Sonne. Zahlreiche Hunde waren anwensend, wovon sich einer neben mich legte. Ich ging noch mal kurz links und rechts den Strand entlang und überlegte was ich denn so tun könnte. Hier war es mir dann doch etwas einsam zumute und mit meiner neuen Motorisierung konnte ich auch gut mal in die Stadt fahren. Ich holte also mein Netbook und fuhr als erstes zum Essen an den “Busbahnhof”. Mittlerweile war es dunkel geworden. Schon auf dem Hinweg fuhr ich mit meinem klapprigen Gefährt mit Vollgas auf der Landstrasse. Zum Essen gabs natürlich wieder Omelette und Pommes und Tee.

Um diese Uhrzeit war auch hier im Zentrum wieder wesentlich mehr los als am Mittag. Mittags sah ich weit und breit kaum einen Menschen und nach Sonnenuntergang waren die Strassen und Cafès gefüllt. Ich beobachtete noch einige Zeit die Menschen und fuhr schließlich um die Ecke in ein Internetcafè, welches ordentlich mit Jugendlichen besucht war. Seit Marrakesch war ich nicht mehr im Netz gewesen. Ich glaube selbst in Marrakesch war ich nicht im Netz. Ich musste noch kurz warten und setzte mich draußen auf die Stufen des Geschäftes und wartete und rauchte eine Zigarette nach der anderen. Die Jugendlichen vertrieben sich hier ihren Abend mit Chats am Rechner. Die Stunde kostete auch nur ca. 1€ und das Cafè mit seinen ca. 10 Rechnern hatte insgesamt wohl sowas wie DSL-Geschwindigkeit zu bieten.

Ich bekam einen relativ alten Rechner auf dem alles komplett schlecht installiert war. Das interessierte mich aber recht wenig und ich verbrachte lange Zeit damit berufliche Emails zu beantworten und bisschen durchs Netz zu surfen. Irgendwann kurz vor 0000 fuhr ich dann wieder zurück nach Legzira. Auf der Landstrasse, auf der ich die ca. 15 km zurücklegte, war es schon recht kalt geworden in der Nacht. Ich parkte mein Gefährt so wie ich es Stunden vorher von den behilflichen jungen Hotelangestellten gesagt bekommen hatte auf einer freien Terrasse und ging auf mein Zimmer. Auf der Terrasse genoss ich noch einige Zeit die Stille, das laute Dröhnen des Meeres und die unvergleichliche Klarheit der Sterne.

Meine zum Trocknen aufgehängten Klamotten waren kein bisschen trockener als ich sie am Tag vorher aufgehängt hatte. Ich dachte wenigstens die Sonne macht was, aber bei 100% Luftfeuchtigkeit geht einfach gar nichts. Ich studierte nochmal den Planet und beschloss nun den Tag mit der Gewissheit mich von hier zu verabschieden und am nächsten Tag ins Gebirge zu fahren.


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