🇲🇦 2011 Marokko – Tag 5 – Agadir / Inezgane

Ich wachte gegen 0900 auf. Es war bitter kalt und der Wind pfiff noch immer durch die Löcher. Das Meer war außerdem laut. Der Satz Wäsche, den ich am Vorabend noch gewaschen hatte war durch die Luftfeuchtigkeit am Meer natürlich kein bisschen getrocknet. Ich ging in die Gemeinschaftsdusche und packte anschließend mein Zeug zusammen und stellte fest, dass die Digicam kaum noch länger Strom haben würde. Mit dem Rechner sahs auch nicht besser aus. Ich fluchte noch mal auf die Steckdose und verließ die dreckige Kammer Richtung Sonne.

Ich ging noch mal an der Stadtmauer lang durch den Bereich vor dem im Planet gewarnt wurde, noch mal Richtung Zentrum der Medina und schließlich wieder Richtung des Busbahnhofes, ca. 10 min außerhalb der Mauern der Medina. Diesmal wollte ich was neues probieren und hatte deshalb kein Busticket gekauft. Es war mittlerweile auch schon ca. 12.00 Uhr. Am Vortag hatte ich bei der Ankunft mitbekommen, dass dort einige Busfahrtsgehilfen ständig das Ziel der Busfahrt rausschreien. Es sollte damit ganz einfach möglich sein nach Agadir zu kommen. So war es dann auch. Nach 5 Minuten warten vernahm ich das laute Geschrei und ging zum Bus. Wieviel kostets und wann gehts los.

Die Fahrt sollte ungefähr 80 Dh kosten und der Gehilfe wollte noch einen kleine Kaffeebonus. Das Gepäck im Stauraum sollte auch noch extra 15 Dh kosten. Einen Tag zuvor hatte ich mich noch über solche Sitten aufgeregt, aber was solls. Das Gepäck und ich waren sicher. Nach dem Procedere vom Vortag dauerte es auch diesmal eine Weile bis der Bus abgefahren war. Das war natürlich wesentlich später als mir mitgeteilt wurde. Vorher hatte ich in der Stadt noch meine letzten drei Fotos gemacht, so dass mir Digicam und das Netbook auf der Fahrt keine Hilfe sein konnten. Ich schrieb also Reisebericht und plante im Planet die weitere Tour. Beim Verlassen der Stadt und eigentlich schon vorher war mir aufgefallen, dass es hier eigentlich nichts zu sehen gab. Die Übernachtungen sind auch sehr teuer und schlecht. Das einzig an sich Sehenswerte war die uralte Stadt an sich, aber extra dahin zu fahren lohnt nicht wirklich, zumal die Windige ihrem Beinamen alle Ehre machte.

Diesmal bewährte sich auch meine Plastiktütenstrategie. Ich hatte alles Wichtige und Notwendige im Bus immer bei mir und musste mir keine ernsthaften Gedanken machen. Die Fahrt ging durch eine mehr oder weniger spährlich besiedelte Gegend, die aber recht gut aber flach bewachsen war. Im Bus war es wieder richtig warm. Nach ca. der Hälfte der Fahrt hielten wir wieder in einem Kaff zum Rasten. Ich erstand etwas Fladenbrot und einige Orangen. Ein Händler mit Süßgepäck kam auch noch durch den Bus dessen Backwaren äußerst gut schmeckten. Als wir abfuhren hatte ich noch einen Jungen ohne Arme und Beine auf der Strasse sitzen sehen. Nach einer Weile ging die Strasse dann in der Nähe des Meeres entlang. An mehreren Stellen gab es recht viele Surfer die sich die recht hohen Wellen zu Nutze machten.

Nach einem Hügel kam Agadir zum Vorschein. Da wir über den Hügel von Norden fuhren konnte man die Stadt recht übersichtlich von oben betrachten. Die Stadt war im Gegensatz zu E. kein kleines Kaff. Wir fuhren am Hafen, dann östlich am Rande der Stadt vorbei. Ich wunderte mich etwas und beschloss einfach irgendwo auszusteigen wenn auch jemand anderes aussteigt. Ich hatte nämlich die Vermutung das der Bus nicht direkt nach Agadir rein fuhr sondern zum nahegelegenen Inezgane. Mittlerweile war es auch schon recht spät geworden für den Tag. Es müsste gegen 1500 – 1600 gewesen sein. Die Strasse an der ich ausstieg sollte nach meiner kleinen Karte vom Planet direkt nach Westen zum Strand ins Zentrum führen. Die Strasse war sehr breit und zahlreiche Geschäfte befanden sich an allen Seiten.

Dieser Aussenbereich der Stadt war zwar bei weitem nicht so westlich wie in Marrakesch die Neustadt, aber doch ein extremer Unterschied zu E. Irgendwann war ich zum Strand gekommen. Auf einem Platz vor der sichelförmigen Promenade fragte mich ein Mann im Anzug nach Feuer. Wir kamen ins Gespräch. Er war Korrespondent einer Zeitschrift in DE gewesen und konnte auch gut deutsch. Wir gingen in ein nahegelegenes Cafe, tranken Tee und unterhielten uns über viele Besonderheiten der beiden Länder. Er gab mir noch wertvolle Tipps wie und in welcher Reihenfolge ich in welche Städte fahren soll und was es dort zu sehen gibt. Im Nachhinein hab ich das dann zum Teil auch so gemacht. Mohammed gab mir noch seine Telefonnummer für den Fall das irgendwas sein sollte und wir verabschiedeten uns. Die Sonne war nun mittlerweile am untergehen. M. erwähnte noch das ich besser nicht in Agadir übernachten sollte, sondern in Inezgane, da dort auch gleich der große Busbahnhof zum weiterfahren ist und die Hotels dort auch wesentlich günstiger sind.

Ich hatte schon im Planet vorher gesehn, das ich in A. nicht unter 25€ wegkommen sollte. Nach einem Spaziergang am Strand bei der untergehenden Sonne beschloss ich auch das genau so zu tun und mir das Geld zu sparen. Hier gab es für heute Abend nicht wirklich was zu sehen. Alles war sauber und westlich am Strand. Dementsprechend auch die Hotels und Restaurants. Durch die Nähe zum Meer war es nach Sonnenuntergang nicht so kühl wie in M. oder gar in E. Natürlich durfte an der Promenade auch ein McD nicht fehlen. Ich ging wieder Richtung Osten ins Zentrum der Stadt. Hier waren weite Strassen mit vielen zum Teil hochpreisigen Geschäften. Nach einem Besuch in einem Supermarkt wurde es mir dann zu bunt und ich beschloss zum Busbahnhof zu gehen. Der Busbahnhof war nicht sonderlich weit vom Zentrum entfernt. An einem Kiosk fragt ich einen Verkäufer nach der Nummer für den Bus nach Inezgane. Der Bus fuhr natürlich grad mit meinem Eintreffen ab.

Der nächste kam erst in einer halben Stunde, was mir etwas Gelegenheit gab mich auszuruhen und in der Gegend rumzuschauen. Der Bus überraschte dann aber durch seine moderne Aufmachung und seiner geringen Kosten von ca. 5 Dh. Die Fahrt dauerte aber schließlich recht lange da er oft hielt. Ich ging zum Busfahrer und machte ihm begreiflich das er mir in Inezgane zum Aussteigen Bescheid geben soll. Ich wusste zu dem Zeitpunkt erstmal überhaupt nicht mehr wo ich war, da die Gegend sehr verlassen aussah. Als es wieder etwas mehr städtisch wurde, war alles unübersichtlich und auch einen Busbahnhof konnte ich nirgends erkennen. Der Fahrer ließ mich an der Endstation in Inezgane raus. Ich versuchte mich zu orientieren, was mir aber aufgrund der Dunkelheit und der fehlenden Karte nicht gelang.

Ich lief in eine Richtung von der ich glaubte, dass wir von dort gekommen waren und dort ein Busbahnhof war. Ich fragte mehrmals nach dem Weg, immer gleich mehrmals hintereinander um nicht wieder in die falsche Richtung zu laufen, da die Leute dort die Angewohnheit hatten, auch wenn sie es nicht wussten einen in die falsche Richtung zu schicken. Ein ewiges Rumgeirre in Spanien war mir eine Lehre gewesen. Nach kurzer Weile tauchten auch wieder offene Geschäfte und einige kleine Restaurants auf. Laut dem Planeten sollte das billigste Hotel um die 80 Dh kosten. Ich ging am Platz am Busbahnhof entlang der sich halt nur als Marktplatz aber nicht als Busbahnhof rausstellte. Hier waren zahlreiche Geschäfte und auch Hotels mit ihren schmalen Eingängen. Ich suchte mir eines aus und ging einen Stockwerk höher durch eine schmale Treppe zum Portier der in einem kleinen Kabuff saß.

Das Zimmer sollte 40 Dh kosten, Doppelbettzimmer. Ich sah es mir an und hatte nichts dran auszusetzen Zwei Betten und ein Tisch, das reicht. Duschen und Toilette auf dem Gang. Auch hier hatte ich wieder nicht auf die Steckdosen geachtet. Die gab es diesmal erst gar nicht im Zimmer. Zum Glück gab es die aber im komplett gefliesten Restaurant im zweiten Stock das grad geschlossen wurde, die Türen aber offen waren. Ich fragte ob es dann auch noch offen ist und ich mich dann dort hinsetzen könnte. Das ginge. Ich beschloß als erstes die zahlreichen Elektronikläden nach einem Mikro USB auf USB Kabel und einem Lampe zu Steckdose Adapter abzuklappern. In unmittelbarer Nähe fand ich im vierten Laden das USB-Kabel zum aufladen meines Handies, das ich zu Hause vergessen hatte. Das Kabel wurde einfach aus der Verpackung eines Nokiahandies genommen und kostete mich 25 dh.

Nun galt es was warmes zu Essen zu besorgen. Genau gegenüber vom Hotel und vom Elektronikladen waren auf dem Marktplatz am Rand noch zwei Grillläden offen. Ich begutachtete das Essen und entschied mich seltsamerweise für ein völlig unbekanntes Gericht. Ich weiß auch nicht mehr was es war. Der Verkäufer fragte noch ob ich was von einer Soße aus einem Topf drüber haben wollte ich sagte ja. Gekostet hat das vielleich 25dh. Nach kurzem zurücklaufen zum Hotel wurde mir klar das es sich vielleicht um Schafshoden handeln könnte. Nun war mir der Appetit vergangen und ich schenkte das Essen kurzerhand einem mit einer mit Rotwein gefüllten Pepsiflasche sitzenden zerzausten Menschen, worüber der sich sehr freute.

Etwas misstrauisch geworden wurde ich wählerisch und die Läden schlossen einer nach dem anderen. An einem Imbiss bin ich dann doch stehengeblieben und setzte mich auf den Gehweg, bestellte etwas in der Art von Dönerteller mit Cola für ca. 25 Dh. Nach dem Essen ging ich zurück ins Hotel, holte meine drei Geräte zum Laden und setzte mich ins geschlossene Restaurant. Die Fenster waren alle geöffnet, so dass ich einen Überblick über den Platz hatte. Vor dem Hotel stand ein Esel mit Eselskarren auf der Strasse und an einem Fenster saß einer der arabische Musik laut von seinem Handy gab. Nach Aufladen, Bilder auf den Rechner kopieren und Reisenotizen schreiben ging ich dann in mein luxuriöses Zimmer zu Bett.


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