🇲🇦 2011 Marokko – Tag 4 – Essaouria

Den Morgen hatte es dann doch bis ca. 0900 gedauert bis ich aus dem Bett kam. Machte auch nichts, da mein Bus erst gegen 1300 fahren sollte und ich nicht so richtig wusste was ich mir jetzt noch anschauen sollte. Ich machte mich also fertig, schnappte mir meine immer noch nicht so ganz trockenen Sachen von der Terrasse, lud nochmal alle meine Akkus auf und verabschiedete mich schließlich von Maschud. Das obligatorische Frühstück am Jeema ließ ich diesmal aus. Ich ging wieder Richtung Norden durch die Medina zum Ausgang wo der Busbahnhof ist. Zwischendurch gabs wieder allerlei Verkehr und frische Waren zu sehen. Fisch, Tierköpfe, Innereien, Vögel, Gemüse und vieles weitere mehr an Nahrungsmitteln, was etwas sehr gewöhnungsbedürftig ist.

Da ich noch nichts gegessen hatte und ich Lust hatte auf Kaffee und Kippen, setzte ich mich in ein Cafe an der Kreuzung beim Busbahnhof. Der Kaffee kostete ca. 1€ und war gewohnt stark. Da ich noch Zeit hatte bestellte ich mir noch mindestens einen zweiten und verbrachte die Zeit damit in der Sonne zu sitzen, Kaffee zu trinken, zu Rauchen und den Leuten zuzuglotzen und Reisenotizen zu schreiben. Am Schluss musste ich auf die Toilette, was mir dann doch wieder im Gedächtnis hängen geblieben ist. Ich musste ein Stockwerk höher und das war bestimmt für die anderen lustig mit anzusehen wie ein 205cm-Mensch mit komplettem Rucksack durch gefühlte 1,50 m Durchgänge zum Klo kroch. Das Klo war dann auch nicht höher und war auch typisch Arabisch. Ich hatte immer noch Bedenken wegen meines seltsamen Bustickets, das ich einen Tag vorher erstanden hatte. Ich ging also diesmal schon etwas energischer durch die Menschen, die versuchten ihre Bustickets zu veräußern.

Der Bus stand dann auch tatsächlich am passenden Bussteig und gegen ca. 25 Dh wurde mir mein Gepäck in den unteren Teil des Busses befördert. Ich wollte es eigentlich bei mir haben und hatte mich eigentlich auch schon auf einen Platz gesetzt, wurde aber dann doch genötigt das Gepäck unten mit rein zulegen. Ich war noch nicht vorbereitet. Später sollte ich alle meine wichtigen Sachen wie Reisepass, Tickets, Netbook usw. in einer Plastiktüte immer bei mir haben um mir das ständige schauen nach dem Rucksack zu ersparen. Ich blieb noch eine Weile draussen vor dem Bus wo auch ein Amerikaner mit seiner Freundin stand. Beide sahen recht alternativ gekleidet aus und meinten sie sind jetzt schon zum fünften mal da und fahren nun wieder durch die Gegend. Beide sahen sehr entspannt aus wegen dem Gepäck, also entspannte ich mich auch. Der Bus sah schon etwas mitgenommen aus, aber ich kenne ja mein Auto und was andere darüber denken. Passt also.

Irgendwann wurde ich dann aufgefordet mich reinzubegeben, da es nun schon etwas verspätet losgehen sollte Richtung Essouira. Die Fahrt sollte eigentlich so um die 200 km sein, genau weiß ich das nicht mehr. Im Nachhinein war es immer das gleiche was dann passierte. Erst wurde der Motor angelassen. Dann passierte erstmal eine Weile gar nichts. Manche Mitfahrer kammen dann erst und der Bus wurde voll. Dann kamen die wie sich später rausstellen sollten, heiligen Frauen, wie ich sie jetzt mal nenne, die einem gegen einen Obolus gute Reise wünschen. Dann oder davor kommt einer mit Brot und oder Gebäck. Dann kommen wieder Menschen; die Händler steigen aus. Wieder warten, der Bus fährt im Schrittempo, hupt mehrmals, wieder steigen Menschen während der langsamen Fahrt ein oder aus und dann gehts wirklich los.

Die Prozedur dauert dann je nach Haltestelle bis zu 15 Minuten oder auch länger. Der Bus bewegte sich erstmal recht langsam durch den Verkehrskollaps von Marrakesch. Dann wurden die Häuser kleiner und die Landschaft auch immer spärlicher. Der Bus nahm langsam fahrt auf, was dann vielleich 80 Km/h gewesen sein dürften. Als die Häuser wirklich spärlich wurden und die Strasse schnurgerade Richtung Westen ging wurde mir bewusst, dass Marrakesch eigentlich eine Oase ist. Nicht das ich das nicht vorher gewusst hätte. Wenn man sich dann aber wirklich raus begibt, dann sieht man immer mehr die Landschaft karger werden. Das betrifft auch die Häuser die immer ärmlicher wurden. Lehmhütten waren zu dem Zeitpunkt aber noch nicht zu sehen.

Der Bus machte beim Bremsen immer Geräusche die darauf schließen ließen, dass es mit dem Bremsbelag nicht mehr soweit her ist. Das war aber eigentlich egal, da er immer irgendwie zu stehen gekommen ist. Die Geschwindigkeiten waren sowieso recht niedrig. Nach ca. 2h war von Vegetation kaum mehr was übrig. Nachdem vorher noch Felder und immer karger werdende Felder zu sehen waren, dazwischen einige Palmen, aber keine Bäche und Flüsse, wurde die Landschaft dann zur Wüste. In einem Dorf wurde Zwischenstopp gemacht. Später sollte sich dann noch herausstellen, dass bei längeren Strecken immer in so einem Dorf eine kleine Rast eingelegt wird. Der Bus hatte natürlich auch keine Klimaanlage was mich nicht störte, da die Temperaturen mit max 30 Grad im Bus noch erträglich waren, eigentlich sogar sehr gut. Die Reisenden stiegen aus und gingen an einem der Stände was essen.

Ich war dieses Procedere noch nicht gewohnt und stand beim Bus da ich nicht wusste wann der wieder losmacht oder ob jemand mit meinem Rucksack abhaut. Zwischendurch gab es auch einige Stops auf Zuruf oder Menschen standen am Straßenrand und der Bus hielt an um die mitzunehmen. Genau konnte ich nicht feststellen wie das ging. Ich begnügte mich also mit einigen Zigaretten und schaute den anderen und dem Fleischspießverkäufer zu. Irgendwann nach ca. 30 min ging es dann schließlich weiter. Die Landschaft wurde abrupt hügelig und die Vegetation wurde deutlich stärker und grüner. Erst einige wenige grüne Flächen und dann plötzlich überall grüne Wiesen mit kleinen Olivenbäumen. Die Häuser wurden deutlich besser als vorher noch. An den Strassenrändern waren überall Schilder zu erkennen wo Arganöl verkauft wird. Ziegen steigen auf die Arganbäume und fressen die Früchte.

Aus den Ausscheidungen wird dann dieses mehr oder weniger trübe Öl gewonnen das nicht gerade billig ist. Nach einer weiteren Kurve fuhren wir durch die Neustadt von Essaouira. Zahlreiche Neubauten und viele Projekte zeigten eine rege Immobilientätigkeit. Nach weiteren 10 min Fahrt waren wir am Busbahnhof der dem von Marrakesch überhaupt nicht glich. Eigentlich bestand er nur aus einem Platz mit einem kleinen Gebäude mit Cafe und einer Mauer und ca. 5 Bussen. In dem Augenblick wusste ich nicht so recht was ich an diesem verlassenen Ort eigentlich sollte. Alles war staubig. Es gab beim Busbahnhof so gut wie keine Geschäfte. Einige Eselskarrenbetreiber warteten auf Kundschaft. Dabei waren die Besitzer des Karren selber die Esel, die die Gepäckstücke von Reisenden irgendwohin schafften. Ich bemühte also meinen Planet, den ich vorher auch schon stark bemüht hatte. Ich hatte mir die Stadt allerdings völlig anders vorgestellt. Ich versuchte also den Weg Richtung Strand und Medina, da ich unbedingt den Strand sehen wollte.

Ich wusste nicht was Jimi Hendrix hier in den 70ern zu suchen hatte. Vorbei an einigen wenigen Geschäften und einem kleinen Markt lief ich durch das Tor in die Medina. Deutlich waren hier aber auch Touris zu sehen, erkennbar an ihrer westlich Kleidung und Gepäck. Ich fühlt mich nun nicht mehr so stark vereinsamt. In der Medina schlängelte ich mich durch ein Gebiet vor dem im Planet gewarnt wurde, da sich hier Abends alkoholisierte Menschen rumtreiben sollten die auf Touris aus sind. Um die Zeit war jedenfalls niemand zu sehen. Die Gegend sah zwar etwas verlassen aus, war aber auch recht klein. Nach weiteren 5 Minuten war ich schließlich im Tourigebiet an der Mauer in der Nähe vom Hafen. Die ganze Zeit hab ich im Planet nach dem Hotel gesucht in das ich wollte. Allerdings gabs das entweder nicht mehr oder hatte zu. Vielleicht war ich aber auch in genau in dem Hotel in das ich wollte. Jedenfalls nahm ich eines direkt an der Mauer zur Küste von dessen Dachterrasse man die Mauer mit den Kanonen und das Meer sehen konnte.

An der Rezeption nachgefragt und es gab ein Zimmer für ca. 10€. Eigentlich wollte ich es etwas günstiger haben aber das geht ja auch. Später sollte sich herausstellen das es wohl das schlechteste Zimmer war. Die Zimmer lagen alle um einen großen zentralen Raum. Das Hotel hatte sicher schon mal viel bessere Zeiten gesehen. Das Zimmer gefiel mir beim Zeigen soweit erstmal. Hier hatte ich noch nicht gelernt etwas genauer hinzuschauen. Ich lud erstmal alle meine Sachen ab um noch einen Rundgang in der Stadt zu machen bevor die Sonne unterging. Die ganze Zeit zog es an jeder Ecke. Überall war Wind. Nach dem Planet war ich darauf vorbereitet aber das sollte kein Platz sein an dem ich länger verweilen wollte. Ich ging Richtung Hafen auf einen großen Platz. Einige Touris waren auch zu sehen, einige Geschäfte mit dem üblichen Essen, wie Sandwich und Omlette zu recht hohen Preisen. Wer sich ein tolles Sandwich vorstellt wird bitter enttäuscht.

Am Hafen wurde es noch windiger. Ich setzte mich kurz auf eine Mauer direkt am Wasser und beobachtete wie einige Fischer ihren Fang direkt in die nächste Fischbude verluden. Überall waren Möven. In dem Moment wurde mir plötzlich bewusst wie hoch doch hier die Wahrscheinlichkeit ist von einem Schiss erwischt zu werden. Also verließ ich das gemütliche Plätzchen und schlenderte am kleinen Hafen an den Buden vorbei. Hier war rein gar nichts los. Im Vergleich zu Marrakesch war das ein verlassenes Dorf. Ich fühlte mich etwas am falschen Ort zu sein. Am Hafen waren vielleicht drei Fischgrillbuden und drei O-Saft Buden. Vom Fisch wollte ich nichts, ich nahm nur einen Saft von einer Saftauspresserin, die im Gegensatz zu ihren anderen Kollegen eine Saftpresse hatte. Sie schenkte mir auch noch gleich drei Orangen. Am Hafen liefen seltsame gestalten mit Tüten in Richtung Mauer vor das Meer.

In den Tüten war bestimmt etwas Ethanolhaltiges. So sah es jedenfalls aus. Die waren auch etwas verwirrt unterwegs. Überall roch es extrem nach Fisch und verwesendem Fisch. Auf den Steinen am Meer lag überall Müll und verwesendes. Ich blickte noch auf den danebenliegenden sichelförmigen Strand, machte einige Bilder davon und auch vom Hafen. Mittlerweile wurde es immer kälter. Hier am Meer waren die Temperaturen wesentlich niedriger als im 200 km entfernten Marrakesch. Ich ging die zentrale Straße in Richtung Ausgang der Medina. Mittlerweile hatten sich immer mehr Menschen eingefunden. Was mir gleich auffiel waren aber die kaum zu hörenden Rufe der Muezine die es hier im Gegensatz zu Marrekesch kaum gab oder halt nur in sehr gedrückter Lautstärke ihren Ruf verbreiteten.

Es war nun kurz nach Einbruch der Dunkelheit sogar richtig voll geworden in den Gassen und besonders der relativ kurzen Hauptstrasse der Medina. Überall gab es Geschäfte die Dinge aus diesem besonderen Holz der der Gegend herstellten. Das Holz geht mittlerweile arg zur Neige, weshalb eigentlich vom Kauf abgeraten wird. In einem Laden in einer Seitengasse, der solche Holzwaren hatte war ich an einer kleinen Schatulle interessiert. Der Verkäufer konnte Englisch und meinte ich sollte versuchen sie aufzubekommen. Trotz zahlreichen Versuchen um hinter das Geheimnis zu kommen ging die Schatulle nicht auf. Der Mann zeigte mir dann auch den Trick hinter dem eine relativ komplizierte Mechanik lag. Trotz dem er es mir gezeigt hatte, hatte ich es sogleich auch wieder vergessen. Interessant war es auf jeden Fall.

Draussen gab es an jeder Ecke für umgerechnet 1€ zahlreiches Zeug aus diesem Holz, so dass ich trotzdem nicht von einer kleiner Schachtel für besondere Sachen lassen konnte. Die Reise fing erst an und ich hatte immer noch meine 10 Kilo-Begrenzung für den Rückflug und Platz im Rucksack war auch nicht so recht. Ich fing erst jetzt an so richtig aus dem Rucksack zu leben, lag er doch sonst nur im Hostel rum. Mit seinem Zeug auf solch einer Reise strategisch vernünftig umzugehen war sowieso eine Herausforderung die ich vorher noch nie gemacht hatte. Besonders musste ich auf strikte Ordnung achten, um nicht für jede kleine Sache den Rucksack komplett auspacken zu müssen. Die Schachtel verschwand dann also auch konsequent bis zum Boden in meinem Rucksack. Später hatte ich mir angewöhnt alle wichtigen Sachen wie Netbook, Ausweis usw. in mehreren an jeder Ecke zu bekommenden Plastiktüten einzupacken. Blickdicht und extra aus dem Rucksack entnehmbar, um sie leicht auch separat mit mir tragen zu können. Besonders im Bus oder im Taxi.

Wären mir meine Klamotten verloren gegangen so wäre mir das recht egal gewesen. Die grünen zerfledderten Plastiktüten sahen auch nicht nach einem begehrenswerten Daypack oder so aus. Ich ging wieder zurück ins nahe gelegene Hotel und gleich auf die Dachterrasse um noch schnell einige Bilder vom Sonnenuntergang genau gegenüber des Hotels zu machen. In dem Augenblick dachte ich an zwei Jahre zurück, wo ich auf der anderen Seite des Meeres saß, nur mit dem Sonnenuntergang im Rücken. Auf der Dachterrasse saß auch ein Pärchen bei einer Flasche Wein, die sich ebenfalls den Sonnenuntergang ansahen. Zurück im Zimmer entleerte ich meinen Rucksack um vor allem den Rechner und die Kamera aufzuladen. Hier hatte ich meine erste Lektion mit Gefluche gelernt. Eine Steckdose heisst nicht automatisch Strom. Ich konnte machen was ich wollte aber die aus der Wand hängende Dose gab nichts her.

Sonst war keine Dose zu sehen, nur eine Glühlampe baumelte in ihrer Fassung an der Decke. Da musste ich an Peter Kurz denken und seinen Glühlampe zu Steckdose Adapter. So ein Ding hatte ich aber nicht, nahm mir aber vor sowas zur Sicherheit zu besorgen. Ich hatte später noch in manchen Läden danach gefragt aber nirgends gabs sowas. Muss ich mir doch mal selbst basteln. Eine Glühlampe in ner Fassung gibts immer, Steckdose und auch noch Strom längst nicht! Dann bemerkte ich den starken Windzug durch das Zimmer. In meiner Tür war oben ein ca. 10 x 10 cm großes Loch. In der gegenüberliegenden Wand auch. Ich nahm also einige kleine Geldstücke, klemmte sie mit Kleidung zwischen die Holzritzen in der Tür um diesen elenden Durchzug zu bremsen, was mir auch schließlich gelang.

Nach dieser Aktion und der notwendigen Wäsche meines Satzes Kleidung ging ich noch mal raus um durch die Gassen zu schlendern. Ich glotzte hier und da in Läden, bis ich die kleine Medina fast vollständig erkundet hatte und ging wieder zurück ins Zimmer. Nach einiger Zeit schlief ich in dem verranzten, kalten Zimmer mit der verranzten Decke mit lautem Meeresrauschen ein. In der Nacht wachte ich noch einige Male auf weil mir kalt war und der Wind durchzog.


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