🇲🇦 2011 Marokko – Tag 3 – Marrakesch

Der Muezin begann wieder recht zeitig mit seinem Tagwerk. Allerdings war mir das um ca. 0600 recht egal. Gegen 0730 bin ich dann doch aufgestanden, nachdem ich noch mitbekommen hatte wie sich die Engländerinnen verdrückt hatten. Ich besuchte die Dachterrasse mit nahezu dem gleichen Ergebnis wie am Tag zuvor, nur die Italienerinnen fehlten. Ich nahm also etwas Fladenbrot und Marmelade zu mir, nicht ohne auch reichlich Tee und Zigaretten zu konsumieren. Irgendwie war um die Uhrzeit niemand wach, obwohl das Hostel recht gut belegt war. Von den Gassen hörte ich auch schon wieder den typischen Lärm der Menschen, Händler und Mopedfahrer.

Ich ging in das Bad für eine Dusche. Das sollte eine der wenigen warmen Duschen der Tour werden. Oder zumindest dauerhaft warmen Duschen. Bei der Glegenheit nahm ich auch noch einige Kleidungsstücke mit, da ich nicht wusste was noch geschehen wird. Die Sachen hing ich auf der Dachterasse in strahlendem Sonnenschein auf. Danach begab ich mich an den Jemaa um einen Orangensaft zu trinken. Der frisch gepresste Orangensaft ist einfach einzigartig und erfrischt zu dem. Allerdings möchte ich nicht wie diese Menschen, jeden Tag hunderte Orangen mit der Hand auspressen. Die Säure wird schon ihr Werk mit den Händen tun.

Am Rand des Jemaa suchte ich mir ein Resaurant um wirklich zu frühstücken. Für 25 Dh gabs Kaffee, Omlette und Fladenbrot. Nebenbei beobachtete ich einige Einheimische bei einem Geschäftsgespräch/Meeting im gleichem Restaurant. Draussen in der Sonne war es zwar recht gemütlich, allerdings nervten Fliegen und Bienen extrem, die sich ständig über meinen Kaffee und mein süßes Gebäck hermachen wollten. Ich hatte noch die 24 h Busrundfahrtskarte und beschloss also mit selbigem die Tour außerhalb der Stadt zu nehmen und damit zu vervollständigen. Allerdings ging ich nicht direkt zu der Haltestelle am Jemaa sondern noch mal nach Norden durch die Medina ans Nordtor, wo auch der Busbahnhof sein sollte.

Die nördliche Medina hatte wieder allerlei Nahrungsmittel anzubieten, teilweise recht gewöhnungsbedürftige wie Rinderhälften, Köpfe, Flügel usw. Am Nordausgang war ein großer Platz. Der Blick nach rechts ergab einige Bretterbuden und den Busbahnhof, erkennbar an den Menschenmengen und den vielen Bussen. Ich wollte mich erkundigen wie ich am besten nach Essaouira kommen kann. Am Vorabend hatte ich das für den nächsten Tag als Ziel auserkoren. Ich ging also in den Busbahnhof, nicht ohne ständig angeredet zu werden. Später sollte das dann nicht mehr vorkommen. Ich blieb aber hart und ging Richtung des passenden Schalters, nachdem ich einige Minuten Zeit hatte um mich etwas umzusehen.

Die entsprechenden Ziele hatten je nach Gesellschaft auch einen eigenen Schalter. Der Busbahnhof sah im übrigen etwas verwahrlost aus, aber es gab alles was man sich so als Reisender wünscht. Hier sah man aber schon deutlich, dass hier auch vorrangig die finanziell nicht so gut gestellten reisen. Am Schalter bekam ich dann gegen ca. 85 dh einen handgekritztelten Zettel mit der Uhrzeit und des Bussteiges der Abfahrt. Ich hatte etwas Bedenken. Der Zettel war halb so groß wie eine Strassenbahnfahrkarte und ein viertel so dünn. Ich wusste nicht richtig ob es klappt, aber das wird schon klappen. Ich ging also wieder den bekannten Weg in Richtung Neustadt zu der Haltestelle vom Vortag.

Diesmal musste ich aber richtig lange warten bis der richtige Bus mit der Aussentour kam. Diesmal war oben schon alles voll, also setzte ich mich unten in den klimatisierten Bereich. Die Sonne brachte schon wieder 25 Grad im Schatten. Die Sprachanlage hatte schon wieder das gleiche Problem wie am Vortag. Ich konnte dem ganzen einfach nicht folgen. Manchmal ging das, meistens aber nicht. Ich hab eigentlich nie so richtig gesehen von dem was gesprochen wurde. Das hätte viel interessanter sein können. Was mir noch in Erinnerung blieb waren die Palmenhaine außerhalb, und der Tatsache, dass Marrakesch eine Oasenstadt ist, die durch 700 km² an uralten Brunnenanlagen am Leben gehalten wird. Die Brunnen und Kanäle sind unter unscheinbaren Hügeln vergraben. Besonders in den Palmenhainen sieht man die an jeder Stelle. Dort warteten auch die Tourikamele, wie ich sie getauft hatte.

Weiter ging es durch noch edlere Gegenden, wo sich Hollywoodstars und andere Promis hinter meterhohen Mauern, Villen und halbe Paläste haben hinbauen lassen. Danach kam auch gleich der Golfplatz von Marrakesch, auf den ständig Wasser gesprüht wurde. Mehrere kleine Teiche durften natürlich auch nicht fehlen. Der Bus fuhr dann wieder zu der Haltestelle in die Neustadt, wo ich dann auch den Weg Richtung Medina einschlug. Die zahlreichen westlichen Geschäfte sorgten bei mir für Unbehagen. Nach einer Info von den Engländerinnen vom Vortag besorgte ich mir Marquise Zigaretten. Das sollten für 18 Dh die billigsten rauchbaren Zigaretten sein. Ich schlenderte noch etwas durch die Medina um dann ins Hostel zurück zu gehen. Diesmal war wieder ein reger Austausch im Gange.

Auf der Dachterasse berichteten die beiden Amis von ihrer letzten Partynacht die sie erst gegen 0600 beendet hatten. Zwei weitere Engländer waren angekommen. Beide sahen so aus als wenn sie grad von einer Party gekommen sein würden. Waren sie auch wie ich später im Gespräch mit ihnen feststellte. Die waren auf einer Party in der Nähe von England als sie feststellten, dass sie doch vor Wochen einen Flug nach M. gebucht hatten. Nun waren sie da und quälten sich auf der Dachterasse und wussten nicht so recht wo sie sind. Ich ging noch mal durch die Medina, wo es allerdings an allen Ecken im Endeffekt das gleiche gab. Hätte ich viel Platz zum Mitnehmen gehabt, dann wäre sich der eine oder andere Staubfänger mit nach Hause gekommen.

Allerdings hatte ich auch keine Lust an so einem Tourispot irgendwas zu kaufen. So ging ich auf eine Bank vor dem Djemaa und beobachtete bisschen die Menschen. Kurze Zeit später entwickelte sich auch gleich eine kleine Schlägerei mit Kung-Fu Einflüssen, die wahrscheinlich durch einen Rempler mit nem Fahrrad hervorgerufen wurde. Eine kleine Wanderung durch die etwas mehr crowded wirkenden Randbereiche ergab auch nichts besonders neues, zumindest nichts an was ich mich noch erinnern konnte. Zurück im Hostel machten sich die neuen Gäste erstmal bekannt. Darunter waren eine Australierin und ein Australier, ein älterer Weltenbummler mit seiner Frau und eine Lettin. Mit allen wurde rege über alles mögliche diskutiert.

Etwas verwirrend waren die drei unterschiedlichen Englischvarianten an einem Tisch: UK, USA und Australien. Der ältere Weltenbummler erzählte wie anders das noch in den 60ern war, als es kein direktes Telefon gab und alles per Schiff geschah. Wenn man dann in Probleme kam, dann dauerte das halt mal ein par Wochen. Wir rauchten noch eine exklusive Shisha und ich unterhielt mich ausführlich mit der Lettin, gerade über das Land selbst, da es doch etwas ungewöhnlich war jemanden von dort in M. zu treffen. Sie fühlte sich irgendwie gar nicht sicher auf den Strassen und Gassen draussen.

Das konnte ich gut verstehen, war mir doch erstmal auch etwas mulmig zumute. Das Ganze ist aber eigentlich gänzlich unbegründet. Die eigentlich Gefahr ist die Gleiche wie an jedem Tourispot. Abgezockt zu werden oder vielleicht Diebstahl. Muss man halt bisschen aufpassen. Es ist auch nicht empfehlenswert sein IPhone auf sowas mitzunehmen. Sie wollte den übernächsten Tag nach Essaouira, ich den nächsten. Danach sollte ich sicher weiter machen, wir würden uns also nicht wieder sehen. Nach endlosen Gesprächen gingen wir dann irgendwann gegen 0200 zu Bett.


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