🇲🇦 2011 Marokko – Tag 2 – Marrakesch

Gegen 0530 wurde ich vom Muezin geweckt, der mit einer wahnsinnigen Lautstärke seine Botschaft verbreitete. Ich hab mich trotzdem noch mal umgedreht um dann gegen 0700 zum Frühstück auf die Dachterrasse zu gehen. Der Ausblick von dort war nicht sonderlich spektakulär und auch die Temperaturen waren nicht sonderlich hoch. Einzig der aufkommende Sonnenschein brachte bisschen Wärme.

Zum Frühstück gab es Fladenbrot mit allerlei Süßkram. Zwei ältere Italienerinnen waren auch da und verschwanden aber gleich wieder. Die Dachterasse hatte eine ca. 3 m x 3 m breite Öffnung, die zwei Stockwerke bis zum Erdgeschoss reichte. Das Gebäude war somit offen nach oben. Um nun gegen Regen gewappnet zu sein war eine Plastikfolie als Trichter darin aufgespannt, die in einem Schlauch endete und das Wasser bei Regen abführte. Nach einigen typischen Tees mit Minze frischte ich mich im Bad auf und ging in Richtung Djemaa el Fnaa.

Auf dem Weg durch die Medina in den engen Gassen herrschte schon wieder rege Betriebsamkeit, aber nicht zu vergleichen mit dem Gedränge von der Nacht vorher. Überall gab es was zu sehen, allerdings nichts was mich interessieren könnte. Ich konnte sowieso nichts mitnehmen mit einer 10 Kg Gepäckbegrenzung. Der Djemaa war zu dieser Uhrzeit komplett leer. Also keine Stände nur zahlreiche Menschen die unterwegs waren. Hier sind mir als erstes die relativ zahlreichen Touristen aufgefallen, die sich doch deutlich von den Einheimischen unterschieden. So auch ich dachte ich mir, obwohl ich mit meiner Kleidung alles andere als Abendtauglich war. In der Hauptstrasse vor dem Tazi habe ich mich in ein Café direkt gegenüber des Tazi’s gesetzt. In der aufgehenden Sonne gab es Omelette und zwei ordentliche Kaffee. Gekostet hat das um die 35 Dh. Im Planeten wurde die Route rausgesucht.

Als erstes wollte ich weiter nach Norden durch die Medina Richtung Busbahnhof und Neustadt. Der Norden der Medina war mehr von Lebensmittelhändler belegt als der zentrale Teil. Überall gab es tote Tiere und Tierteile, die irgendwo herumlagen oder rumhangen. Auch viel Gemüse und Fisch. Am Busbahnhof war schon ordentlich was los. Noch wollte ich aber nicht dort hin um zu schauen wie und wohin es weiter gehen kann. Der Planet hatte mir schon Buslinien und Preise verraten, aber die Richtung war noch nicht klar. Der Busbahnhof lag direkt an dem nördlichen Tor zur Medina. An einigen Verkehrsinseln lief ich weiter Richtung Norden.

Die Neustadt war schon optisch ganz was anderes im Vergleich zur Medina. Zahlreiche Neubauten, viele Baustellen und viele westliche Cafès und Geschäfte befanden sich an der Strasse. Die Strasse dürfte Mohammed V gewesen sein, so wie wohl alle Hauptstrassen in Städten in Marokko, wie mir später dann aufgefallen war. Auf der Strasse durfte auch McDonalds natürlich nicht fehlen. Die Hotels und Geschäfte sahen eher Hochpreisig aus und waren es auch. An einem Eckcafè machte ich einen Halt um etwas Kaffee zu trinken und im Planeten zu schauen wo es weiter hin gehen sollte. Ständig liefen Sonnenbrillenverkäufer vorbei und wollten ihren Pseudo D&G Kram versuchen loszuwerden. Das nervte, da ich zwar gerne eine Sonnenbrille gehabt hätte aber meine Brille keine zweite zuließ. Schließlich lief ich weiter nach Norden, vieleicht wars auch Westen die Strasse bis zum Ende der Gebäude.

Dort war ein kleiner Hügel auf den ich aber nicht wollte, da mir mittlerweile meine untrainierten Füße schon weh taten und es Richtung Nachmittag ging. Also lief ich zurück, auch auf der Suche nach etwas zu Essen. An einer charakteristischen Station für die dort fahrenden Stadtrundfahrtsbusse ging ich nach links etwas mehr von der Hauptstrasse weg. Die Seitenstrassen hatten irgendwas von Dresden-Neustadt. Viele Menschen unterwegs und überall Stühle auf den Strassen. In irgendeinem Restaurant ließ ich mich dann auch nieder um eine Tajine zu mir zu nehmen. Die Tajine war dann mit Abstand die beste der ganzen Tour mit all ihren Schälchen die dazu gehörten. Der Preis war auch nicht sehr hoch mit ca. 45 Dh. (4,5 €) Getreu nach der Devise, gehe dahin wo auch die Einheimischen essen war das eine gute Entscheidung. Durch die Seitenstrassen der Neustadt lief ich wieder zurück zur Hauptstrasse.

Dort war ein Eckcafe und eine Haltestelle für den Touribus. Ich musste aufs Klo und fragte wo selbiges ist. Eine Etage höher machte ich zum ersten mal Bekanntschaft mit den einheimischen Toiletten. Beim gehen hab ich noch 5 Dh auf den Tresen gelegt. Beim Verlassen des Lokals kam mir doch einer hinterher und wollte mir unbedingt das Geld wieder zurückgeben. Sowas hätte ich am wenigsten erwartet. Der Touribus hat 140 Dh gekostet für 24 Stunden. Nach ca. einer halben Stunde kam der dann endlich auch durch den starken Verkehr gekrochen. Ich hatte einfach keine Lust mehr zurückzugehen, da die Entfernung einfach zu weit war. Im Touribus nahm ich mir einen Platz ganz oben in der Sonne mit dem offenen Verdeck. Der Bus quälte sich durch die verstopften Strassen.

Die Infos mit den Kopfhörern waren zwar in mehreren Sprachen, aber die Synchronisation mit den zu sehenden Sachen hat überhaupt nicht geklappt. Ich hab ständig versucht mit dem Planet und der Sprache und dem zu sehenden klar zu kommen. Irgendwann hab ich das dann aufgegeben. In der Medina angekommen stieg ich eine Station vorher aus um noch bisschen durch selbige zu laufen. Von der Seite kommend war alles etwas verwahrloster und schmutziger. Ich wollte was zu Essen finden, konnte mich aber nicht so recht entscheiden. Also lief ich so gut es ging wieder zum Djemaa. Ich wollte mich in ein Restaurant setzen um etwas zu essen oder wenigstens Cafe zu trinken. Ich entschied mich für das höchste der Restaurants. Der Eingang war vom Platz aus gesehen rechts und führte eine enge Treppe über zwei Stockwerke nach oben.

Auf der Dachterasse waren noch zwei Menschen anwesend, die aber gleich gingen. Es war etwas windig und kalt. Die Sonne sorgte aber für etwas Wärme. Ich wartete erst ein Weile, bis mir wieder was einfiel. Ich ging also die eine Etage runter und machte meine Bestellung. Ein Milchkaffee sollte es sein. Auf der Dachterasse war der Ausblick recht nett. Links in einem Hinterhof lag ein Haufen mit Keramiktajines. Ich konnte nur nicht erkennen was mit denen war. 100 m weiter wurden die teuer an Touristen verkauft. Gegenüber über dem flachen Gebäude waren dutzende von Satellitenschüsseln zu erkennen. Langsam begann dann auch der Aufbau des Marktes für den Abend. Mit Eselskarren oder von Hand gezogen wurden die Holzlatten und Planen in Stellung gebracht. Das geschah von allen Händlern fast gleichzeitig. Jeder wusste wo er seinen Platz aufzustellen hatte und das ohne erkennbare Markierungen. Nach gut einer halben Stunde waren auch alle fertig und die Grills begannen wieder zu dampfen und den Platz in einen weißlichen Nebel zu hüllen während die Sonne unterging.

Auf dem Platz wurde es nun auch voller. Ich wollte zahlen. Natürlich kam der Typ nie wieder vorbei. Ich ging also wieder die Etage runter und fragte nach dem Preis. Eigentlich völlig falsch, aber das quittierte er mir auch mit dem doppelten Preis für den Milchkaffee. 20 Dh für das Getränk war eindeutig zu viel. Ich regte mich innerlich fürchterlich auf und schwor mir den hier als Betrüger zu brandmarken. Ich ging wieder links in den Park um mich auf eine Bank zu setzen und dem Treiben zuzusehen. Nachdem ich da 5 Minuten gesessen hatte, viel eine Frau ca. 50 m von mir in Ohmacht. Sogleich bildete sich eine rege Traube um die Umgefallenene. Allerdings war das vielleicht keine Ohnmacht, weil sie ziemlich laut schrie.

Man brachte sie auf eine Bank und nach ca. 15 min war alles wieder vorbei. Zwei Polizisten kamen vorbei, jedoch kein Krankenwagen. Einer der Polizisten schnappte sich irgendeinen Typen und haute ihm seinen Schutzhelm ins Gesicht. Unerklärliche Begebenheiten. Nun wurde es langsam Dunkel und schon wesentlich kälter. Ich ging also wieder zurück zum Hostel durch die Medina. Es war wieder sehr spektakulär welche Menschenmengen sich da durch zwängten. Dazu noch die Rad- und Mopedfahrer und vielleicht noch ein Eselskarren. An einer Engstelle gabs einen Stau wie zu einem völlig ausverkauften Konzert. Manche könnten dabei leicht Panik bekommen. Im Hostel begab ich mich auf die Dachterrasse. Bei mir im Zimmer waren nun zwei Engländerinnen und ein Stuttgarter einquartiert.

Die beiden Engländerinnen hatten Marrakesch spontan besucht, waren aber auf ihrer letzten Nacht da. Die Nacht vorher hatten sie in der Wüste bei Zagora verbracht. Ich unterhielt mich eine ganze Weile mit ihnen auf der Dachterrasse. Sie hatten an einem Ausflug von Marrakesch teilgenommen. Wüste und Zelt, Musik, Feuer, Wein und Essen wie man sich das halt so vorstellt oder auch nicht. Zusätzlich waren noch zwei Amerikaner angekommen. Irgendjemand wurde geschickt um Wein zu besorgen. Der Wein kam dann auch nach einer Ewigkeit an. Inzwischen waren auch zahlreiche Brasilianer angekommen. Mittlerweile zählte ich ca. 10 Brasilianer, die nicht in einer Gruppe angereist waren. Mir war das etwas unerklärlich warum sie gerade nach Marrakesch gekommen sind.

Die Dichte an Brasilianern war damit bei ca. 50 %, während der Rest aus aller Welt stammte. Mittlerweile war es gegen 2330. Wir hatten noch Lust auf einige Biere ins Tazi zu gehen. Die Menschenmenge war nun wesentlich geringer geworden, allerdings trotzdem noch beeindruckend viele unterwegs, meist Einheimische. Jetzt wurden aber die Mopedfahrer aggressiver und fuhren teilweise mit ca. 30 km/h durch die engen Gassen an den Menschen vorbei. Im Tazi waren nicht so sehr viele Anwesend. Das lag wohl auch an den gegenüber dem Vorabend unverändert hohen Preisen für das Bier von 25 dh für 0,2L. Das war uns aber egal.

Wir tranken vielleicht zwei oder drei und machten uns wieder auf den Rückweg. Auf den Strasse zum Platz waren immer noch viele Bettelkinder unterwegs. Die eine Engländerin ließ sich dann doch erbarmen und gab einer etwas. Wir gingen noch mal auf den Platz wo der Rest noch was zu Essen zu sich nahm. Die beiden Amerikaner wollten noch ins El Pascha oder eine andere Disko. Ich und die Engländerinnen gingen aber nun zu Bett.


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