🇲🇦 2011 Marokko – Tag 11 – Zagora / Mhamid

Ich stand schon gegen 0800 wieder auf. Die Nacht war ziemlich kalt geworden, gerade auch in einem Zimmer in dem es keine Heizung gab. Damit hatte ich nicht so richtig gerechnet. In dem recht übersichtlichen Hotel war auch schon recht viel los und der Lärm von drinnen kam zu dem von draussen noch dazu. Ich checkte erstmal wieder bei dem alten langsamen Zausel an der Rezeption aus und ging einige Meter links neben dem Royal das übliche Frühstück zu mir zu nehmen. Starker Milchkafffee, dazu ein Omlett. Während ich dort gemütlich an der Strasse saß und bei Zigaretten und Kaffee in der Gegend rumglotzte sah ich gegenüber eine Autovermietung, was mich auf den Gedanken brachte doch mal nach den Preisen zu fragen.

Ich nahm mein Zeug und setzte auf die andere Strassenseite über. Ein Schild an der Tür verriet ab schon, dass es keine Autos mehr zum vermieten gab. Mir nun gegenüber in einer Seitenstrasse sah ich eine weitere Vermietung. Wie immer zögerte ich kurz, da ich noch eine Zigarette in der Hand hatte. Der Autoverleihmensch kam aber schon flink raus und meinte ich sollte doch reinkommen. Das war wieder völlig ungewohnt. Ich bekam gleich einen Aschenbecher hingestellt und teilte ihm nun mit was ich wollte. Ein Auto hatte er noch, jetzt ging es nur noch um die Details. Ich wollte das Auto 48 Stunden, um dann schließlich noch eine Nacht in O. zuzubringen und dann mit dem Bus zurück nach Marrakesch.

Der Wagen sollte dafür insgesamt ca. 60 Euro kosten, was ich ganz ok fand und einwillgte, da mir das doch viel mehr Freiheiten geben sollte. Nach der ganzen Prozedur, wo auch meine Kreditkarte benötigt wurde um ein Deposit zu buchen, gings an das Auto um zu checken was für Beulen und sonstige Schäden es hat. Sonst bin ich gewohnt, das mal ein oder zwei Schäden sind, war es hier aber eine ordentliche Liste. Die Kiste war unglaublich klein und ich hatte während der ganzen Zeit keine Ahnung was das für ein Auto ist, da der Name oder Hersteller nirgends drauf stand. Ich machte mir schon sorgen ob ich damit überhaupt fahren kann. Kurz vor 10 wahr ich mit allem fertig und konnte meinen Rucksack auf den Rücksitz werfen und losdüsen, was erstmal sehr seltsam war mit dem kleinen Gefährt.

Später hatte ich mich aber daran gewöhnt und alles ging bestens. Ich fuhr als erstes durch die Stadt weiter Richtung Sahara. Eigentlich wollte ich nicht nach Zagora, aber ich wollte nun doch dorthin und noch so weit es geht, um dann schließlich umzukehren und mir irgendwo ein Hotel suchen. Es ging also raus aus O. durch die Neustadt über den Draa-Fluß und über einen Hügel raus aus der Stadt. Die Landschaft wurde für mich immer reizvoller. Kleine Hügel und links der Draa. Die Strasse führte immer rechts neben dem Draa entlang. Mal etwas weiter weg, mal etwas näher. Alles war ohne größere Vegetation, außer im Draatal selbst in der Nähe des Flußes, der in O. zu der Zeit gerade mal 10 Meter breit war und während der ganzen Fahrt immer kleiner wurde. Allerdings ging die Fahrt vorher etwas weiter über trockenes höheres Land, weit vom Fluß entfernt.

Nach ca. 1h Fahrt auf bester Strasse, sah ich links ein defektes Auto und zwei Typen. Der eine kam gleich zu mir und meinte er würde im nächsten Dorf was zu reparieren holen wollen und das es nur 10 min entfernt ist. Es ging vom Hochland einige sehr schöne Serpentinen runter und in das kleine Dorf rein. Ich dachte mir gleich zu Beginn das seine Geschichte nicht stimmt, aber ich hatte Zeit und wollte mal sehen was passiert. Wir hielten in dem kleine Kaff Ait Saoun, kann auch eines später gewesen sein, vor einem Teppichladen. Nun war mir alles klar, aber ich wollte mir das gerade mal abseits vom regen Treiben ansehen. In dem recht geräumigen Laden hingen alle möglichen Teppiche und ein alter Mann erwartete uns.

Der Alte konnte erstaunlich gut Englisch und es gab keinerlei Konversationsprobleme. Ich sollte mich setzen und wurde mit einer Schale äußerst frisch schmeckender Datteln und einem Aschenbecher versehen. Der Alte fragte mich was für eine Art ich gerne haben möchte. Ich schaute etwas um mich und zeigte auf irgendwas. Ich machte ihm auch gleich von Anfang an klar, dass ich eigentlich keinen kaufen möchte, sondern mir mal alles nur ansehen will. Das ignorierte er so gut er konnte. Letztendlich fand ich einen Teppich doch ganz schön anzusehen, was ein dünnes Exemplar von einer Art Gebetteppich sein sollte. Jedenfalls war er sehr leicht und ich konnte ihn ohne Probleme in den Rucksack packen. Er erzähöte mir alles mögliche über den Teppich, wobei das alles sicher etwas sehr weit erfunden sein könnte.

Der Teppich sollte aus Dromedarhaar sein, mit einer Betonung, nicht Kamelhaar und aus Timbuktu kommen. Ich ließ mir alle möglichen Zeichen erklären, wo er wieder ausführliche Sachen erzählen konnte. Die Zeichen waren deutlich von Hand aus Seide gestickt, wie er mir auch mit einem Brenntest mit meiner Zigarette bewies, dass es kein Synthetik ist. Der Teppich sollte 200€ kosten, was ich auf gar keinen Fall ausgeben wollte. Ich griff in meine Hosentasche, in der ich noch 200 Dh, also 20 € hatte. Nun versuchte er mir klar zu machen wie man handelt, ich dagegen, dass ich keinen Teppich will und nur die 200dh habe. Der gewitzte Geschäftsmann sagte dass auch Kreditkarte und EC-Karte! kein Problem sei hier im Kaff in der Wüste.

Als ich schon gehen wollte willigte er schließlich ein und ich gab ihm 200dh und eine 100er Packung Aspirin (99ct USA) für den Stofflappen. Nun kam ich mir etwas schlecht vor, aber der Alte hätte niemals eingewilligt wenn er nicht doch Gewinn macht und außerdem war ich auch nicht ganz mit fairen Mitteln dorthin gelangt. Im Laufe der Zeit gefiel mir der Teppich aber immer besser. Da es nun schon mittlerweile fast 1400 war, gab ich schnell Gas und fuhr weiter. Es ging an Gesteinswüsten und Oasen weiter Richtung Südosten. Zu Anfang war mir das etwas ungewohnt, dass ich auf der Landstrasse kaum Menschen sah und auch der Verkehr mit motorisierten Fahrzeugen existierte nicht wirklich. Jedoch auch im kleinsten Dorf war immer reges Treiben auf den Strassen, so dass oftmals kein richtiges Durchkommen war. Leute liefen einfach so über die Strassen, Eselskarren und anderen Fuhrwerke am Strassenrand oder auf der Strasse, Kinder, Hunde, Esel, Hühner, Schafe und Buden.

Das war immer etwas leicht schockierend aus dem ruhigen dahingleiten in der Wüste in sowas reinzukommen. Das lag aber vorrangig an den für Europäer erstmal unverständlichen inoffiziellen Verkehrsregeln. Zuerst denkt man, es gibt Schilder und den ganzen Kram. Dann bemerkt man schnell, dass die eigentlich vollkommen ignoriert werden und die nächste Stufe der Erkenntnis ist das verstehen der eigentlichen Regeln. Wie ich schon durch andere vorher aufmerksam gemacht worden bin, achtet in Nordafrika jeder auf den andern. Das klingt erstmal seltsam, ist aber so. Das macht sich besonders durch das oftmals ungewohnte Hupen besonders deutlich. Wie ich sehr oft beobachten konnte bedeutet das nur: Achtung ich komme hier von hinten. Bevor man an jemandem vorbeifährt wird also gehupt um den anderen zu warnen. Das geht in der Richtung der Größe des Fahrzeuges.


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