🇲🇦 2011 Marokko – Tag 12 – Zagora / Merzouga

Wie man leicht an dem ersten Bild erkennen kann war ich schon recht zeitig unterwegs. Über Zagora schwebte noch der Nebel und es war nicht sehr warm. Eigentlich war es kurz vor 0 Grad. Die Nacht in dem Hotel war nicht besonders toll, da mein Zimmer irgendwie wieder Lücken hatte und es zog und außerdem keine Heizung da war. Ich hatte mir schon überlegt für 10€ wenigstens einen Heizlüfter zu kaufen, aber das lohnte nun wirklich nicht, da auch die meisten Zimmer kein Strom hatten und ich das Ding wieder los werden musste. Ausserdem gab es auch nirgends welche, ich suchte auch nicht danach.

Der nächste Punkt wäre aber auch die wenn sie vorhanden sind, maroden Stromleitungen, die noch einen Brand verursacht hätten. Jedenfalls wurde es ab hier jede Nacht recht kalt in den Zimmern, was man sich vorher überlegen sollte, ob man nicht doch lieber eine teurere Bleibe mit Heizung sucht, da auch warmes Wasser in der Preisklasse keine Selbstverständlichkeit ist. Auch sollte man das alles vorher prüfen ob es 1. da ist und 2. funktioniert und 3. auch nach 10 min noch funktioniert. Mit dem warmen Wasser hatte ich in der Preisklasse arg negative Erfahrungen gemacht. Meistens gabs das nicht oder nur für kurze Zeit.

Für 20€ sollte man dann schon wieder Fernseher, Klimaanlage mit Heizung und Bad bekommen, bei 10 siehts sehr schlecht aus. Diesmal ging es den Weg wieder zurück, die N9 in Richtung Marrakesch. Ich wollte bei Ichehihen rechts in Richtung Rissani abbiegen, um mir dort die Landschaft und die Dünen anzusehen. Wieder fuhr ich das beeindruckende Draa-Tal zurück, um in der kleinen Ortschaft nach rechts abzubiegen. Auf der Kreuzung stand ein Polizist. Ich war etwas verwirrt, da ich nicht so recht wusste ob er mich zu irgendwas aufforderte. Zur Sicherheit fuhr ich rechts ran, winkte mit meinem Pass und sagte ich will nach Rissani. Er war äußerst nett und bedankte sich, worauf ich das auch tat und verschwand wieder von dem Herrn in Uniform. Nach dieser Idee kam mir doch die glänzende Idee etwas Stoner-Rock zu brennen und dem stylischen Autoradio etwas umgebungstypische Klänge zu entlocken.

Ich fuhr wieder rechts vor ein Internetcafe ran und nahm mein Netbook mit rein. CD-R gabs natürlich und auch die Kyuss-mp3’s liessen sich brennen. Das blöde Autoradio funktionierte allerdings überhaupt nicht. Das war etwas tragisch für mich, hatte ich mich doch extrem darauf gefreut, nachdem das bis dahin so gut geklappt hatte mit der CD. Während ich weiterfuhr probierte ich es ständig, da auch kein anderer Radiosender funktionierte probierte ich es nicht noch mal in einem anderen Internetcafe, sondern verfluchte das dreckige Radio. Das erinnert mich grad wieder an Punkt 2, den ich oben schon bei der Hotelauswahl geschrieben habe. Unmittelbar nach verlassen der Ortschaft ging es etwas bergauf aus dem Tal heraus in ein weiteres Tal hinein.

Das Tal war aber sehr weitläufig und sollte nach meiner Erinnerung ungefähr bis vor Rissani gehen. Zur rechten Seite einige scharfe Hügel, die ich mir gerne von der Nähe betrachtet hätte, dazu ein Wadi und rechts der Atlas in sehr weiter Ferne. Hier machte ich als erstes Begegnung mit einer ordentlichen Steinwüste. Wäre da keine Strasse durch gewesen, so hätte man da einfach nicht durch gekonnt. Links und rechts lagen meterhohe scharfkantige Felsen in der Landschaft verstreut. Rechts an der Strasse gab es wohl den Versuch einer Raststätte. Ortschaften gab es nun eigentlich kaum noch. Während durch das Draa-Tal durchgehend Bebauung war, gab es hier für 10-30 km keinen einzigen Ort und nur einige niedrig wachsende Pflanzen. Sonst war alles mit Staub und kleineren und größeren Steinen bedeckt.

Zwischendurch spatzierten drei etwas leiblichere Frauen mit ihrem Gepäck durch die Wüste, wo der nächste Ort 20 km weit weg ist. Nach meiner letzten Erfahrung wollte ich niemanden mehr mitnehmen, sie passten aber auch einfach gar nicht in mein Auto. Zwischendurch hielt ich mal ab und zu mitten auf der Strasse, da es hier eigentlich überhaupt keinen Verkehr gab. Die Strasse war völlig in Ordnung, aber nirgends waren Fahrzeuge unterwegs. Das ist ein ideales Paradies um mal entspannt zu fahren oder einfach mal anzuhalten und einige Fotos zu schießen. Rechts und links wirbelten ab und zu einige Staubtromben durch die Gegend. An einer Stelle hielt ich wieder an, da in ca. 2km Entfernung dutzende davon zu sehen waren. Das waren kleine Wirbelwinde mit einem Durchmesser von ca. 1-5m und einigen dutzend Metern Höhe, die sich über eine staubige Fläche im Sonnenschein bewegten. Mal verschwand eine, mal kam wieder eine dazu.

Etwas außerhalb eines kleinen Dorfes machte ich Halt. Mittlerweile wurde die Zivilisation karger. Das Dorf hatte gerade so Strom und einige Lampen aber wahrscheinlich kein fließendes Wasser, da zahreiche Frauen am Dorfbrunnen versammelt waren und Wäsche wuschen. Noch etwas etwas weiter wurde die Landschaft schließlich Savannenartig. Einige Bäume wuchsen inmitten einer staubigen und völlig ebenen Fläche, die mich einlud die Asphaltstrasse kurz zu verlassen und auf die Piste zu fahren. Es dauerte nicht lange und die Strasse war kein bisschen mehr zu sehen. Hier machte ich sofort zum ersten Mal Bekanntschaft mit einer Wellblechpiste.

Fährt man zu langsam, dann äußerst sich das in einem abartigen Wackeln des ganzen Wagens. Ab einer Geschwindigkeit von ca. 30-50km/h wird das aber erträglich. Ich machte unter einem Baum kurz halt um mich etwas umzusehen. Die Sonne war im Januar schon extrem drückend, ich konnte mir bei bestem Willen nicht vorstellen wie das bei 10-20°C höheren Temperaturen sein sollte. Irgendwann hatte ich wieder genug und fuhr zurück auf die Strasse nach Rissani. Nach zahlreichen weiteren weit verstreut liegenden Dörfern nach erneut eindrucksvoller Landschaft erreichte ich Rissani. Die Stadt war schon wesentlich größer als die anderen kleineren Dörfer zuvor, der Verkehr war wesentlich dichter.

An einem kleinen Kiosk machte ich halt um mir Getränke und Kippen zu holen. Vor mir war eine junge Frau, die einen Plastikbeutel voll weißem Pulver, wohl eine Art Mehl, gegen ein paar Münzen eintauschte. Hier war die Armut, wie in den Dörfern zuvor sehr stark anzusehen. Ich fuhr weiter von der N12 auf die P21 in Richtung Merzouga. Die Landschaft wurde immer flacher. Im Rücken hatte ich nun die letzten Ausläufer des Atlas. Alles verwandelte sich in immer strengere Sahara. Kurz vor Merzouga konnte man schon von weitem die riesigen gelb-orangenen Sanddünen auf der linken Seite erkennen. Vor den Dünen war alles mit Häusern zugebaut.

So weit ich sehen konnte gab es keine Möglichkeit mit dem Auto nah in die Dünen heranzufahren, da entweder die Pisten fehlten oder ich nichts richtig sehen konnte. Ein Blick auf die Karte nach der Reise zeigt mir jetzt jedoch, dass im nördlichsten Teil des Dünenfeldes alles unbebaut ist und auch Pisten hinführen. Ich fuhr jedoch bis zur Bebauung, wo auch die Dünen am höchsten wahren und fuhr von der Strasse auf die zahlreichen Pisten die zu den Kasbahs führen ab. Ich hatte vorher im LP nachgesehen was die Nacht hier kostet, war aber eigentlich nicht gewillt hier zu übernachten. Allerdings wäre es vielleicht die Sache wert gewesen.

Die Piste war extrem schrecklich, da zu Wellblech auch zahlreiche kleine Steine kamen. Außerdem gab es kurz vor den Häusern auch kleine Sandfelder in die ich drohte festzufahren. Es ging jedoch alles gut, allerdings wurde der Unterboden stark von den Steinen malträtiert. Ich versuchte nun ein bisschen hin und herzufahren um einen Durchgang durch die lückenlos gebauten Kasbahs zu finden, was sich allerdings als sehr schwierig erwies, da die Piste außerhalb sehr schwierig war. Alles sah um die Zeit sehr verlassen aus. Ich entschloss mich daher wieder umzudrehen, da doch mit einem Blick auf die Uhr meine Zeit schon stark verstrichen war. Die Sonne drohte schon wieder unterzugehen.

Ich hatte noch nicht einemal die halbe Strecke zurück nach O. geschafft, sondern nur etwas mehr als 300 km bei nahezu kontinuierlichem Fahren von früh 10.00 Uhr an. Ich musste mich entscheiden, da ich am nächsten Tag das Auto zurückgeben musste. Ich wollte so weit wie möglich weiter über Rissani, dann nach Errachida und schließlich die Parallelstrasse über Goulmina und Boumalne nach Ouarzarzate zurück. Das sollten schließlich noch mehr als 300 km sein und es war nach 16.00 Uhr. Ich fuhr also wieder schnellstens zurück in Richtung Rissani. Ab Rissani wurde die Landschaft wieder sehr grün, da hier gerade unterirdisch viel Wasser war. Bei Errachida waren zahlreiche Hügel in der Wüste, welche mit Eingängen versehen waren. Ich wusste nicht so recht was das sein sollte und hielt kurz an.

Gleich kamen zwei Typen an und meinten irgendwas mit Wasser. Ich sollte doch mitkommen, was ich allerdings aufgrund des Zeitmangels nicht tun konnte. Ich machte noch schnell ein Foto und düste wieder weiter. In Tinejadad schien mir die Sonne voll ins Gesicht, während in durch die Stadt fuhr. Ich hatte schon vorher nicht mehr viel von einer ruhigen Fahrt gehabt und wahr förmlich gerast. Nun ging die Sonne unter und es war noch eine Strecke bis zu meinem gesteckten Ziel Boumalne. Dort wollte ich mir ein Hotel suchen und den nächsten Tag weiterfahren. Die Fahrt im Dunkeln war wieder grauenvoll. Diesmal gab es auch mehr Fahrzeuge, was es aber nicht unbedingt einfacher machte. Öfters tauchte irgendwer und irgendwas auf der Strasse auf, so dass ich nicht sehr schnell vorwärts kam.

Als es vollkommen Dunkel geworden war, fuhr ich von der Strasse ab und einige hundert Meter auf eine Piste. Dort stieg ich aus und betrachtete den extrem deutlichen Sternenhimmel für eine Weile. Nun brauchte ich mir nicht mehr Zeitdruck zu geben, dafür war es nun zu spät. Nach einiger Zeit erreichte ich schließlich Boumalne und war froh niemanden überfahren zu haben. Es dauerte noch über eine halbe Stunde bis ich mir in der kleinen Stadt ein Hotel herausgesucht hatte. Das erste direkt an der großen Kreuzung in der Stadtmitte gelegene Hotel hatte kein warmes Wasser.

Ich ging nun in ein ca. 100 m weiter gelegenes Hotel. Die hatten nach eigenen Aussagen Wasser. Ich erinnere mich das es diesmal ca. 120Dh gekostet hatte, obwohl die Einrichtung auch nicht so toll war. Ich prüfte das warme Wasser und die Steckdosen und ging später in das an der Ecke gelegene Internetcafe um bisschen zu surfen. Später stellte sich noch heraus dass ich die dritte Regel vergessen hatte zu beachten. Das warme Wasser lief nämlich nur für ca. 5min, dann war es aufgebraucht. Wieder war nichts mit einer warmen Dusche und die Nacht wurde wieder recht kalt so östlich vom Atlas.


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