🇪🇬 2009 Ägypten – Tag 3 – El Fayoum

Wir standen wieder recht zeitig auf um was zu sehen. Irgendwie sind wir auf den Gedanken gekommen nach Al Fayum zu fahren, wobei ich nicht mehr weiß ob wir das noch am Abend beschlossen hatten oder spontan nach dem rausgehen aus dem Hotel als wir die Minibusse an einer Ecke sahen. Im Nachhinein kommt mir es so vor das wir das recht spontan gemacht hatten. Unweit von unserem Hotel in Richtung Süden war ein großer Kreisverkehr in dem viele solche kleine Busse hielten. An dem Kreisverkehr gabs natürlich auch wieder so eine MG-Schützenstellung.

Wir fragten uns irgendwie durch und fanden einen, der dorthin fuhr. Nach etwas langem Warten bis der Bus voll war fuhren wir ab. Der Bus war extrem klein und bis auf den letzten Milimeter vollgepackt mit Menschen. Ich glaube der war mal nur für 5 Leute gedacht und es waren 10 drin. Allerdings hatte der Minibus schon LCD-Monitore an den Sitzen, was damals so noch nie gesehen hatte und extrem Fortschrittlich fand für die Region und auch anders wo. Selbst 2015 bin ich noch mit Delta geflogen, die einen Röhrenmonitor in der Ecke hatten. Aus der Stadt waren wir diesmal recht schnell, da wir ja mit Giza bei den Pyramiden sowieso schon in der Wüste waren.

Die Landschaft war beeindruckend und ich fand es ungemein schade, dass wir nicht selbst mit dem Auto unterwegs sein konnten. Nach ca. 1,5 h durch die Wüste auf fast gerade Strasse kamen wir in Al Fayum an. Diese Stadt liegt am Ramses-Kanal, der schon vor 3000 Jahren gebaut wurde und das Wasser vom Nil in eine große Senke leitet, die einen Abflusslosen See bildet (Qarun See). Damals war er bestimmt noch ganz gut, aber heute passiert mehr und mehr das was mit einem abflusslosen See passiert. Er versalzt durch die Verdunstung, wodurch mit der Zeit alles unfruchtbar wird. Seit Ramses ist Al Fayum als der Obstgarten Kairos bekannt. Von unserem Abladeplatz gingen wir in Richtung Zentrum, also in Richtung Bahnhof.

Insgesamt machte die Stadt einen recht erbärmlichen und vermüllten Eindruck. Irgendwo war gerade Markt und es sah für mich so aus als ob es nur Orangen und ein paar Bananen geben würde. Vom Bahnhof aus gingen wir relativ planlos durch die Stadt. Am Kanal angekommen sah ich noch kurz wie einer seine Müllsäcke hineinwarf. Der Kanal selbst sah mit seinem erbärmlichen Rinnsal aus wie die örtliche Mülldeponie. Ich weiß auch nicht was mit dem Müll passiert. Wenn irgendwann im Frühjahr oder durch Regen mehr Wasser im Kanal kommt, dann spült der den Müll schon fort. Allerdings dann in den abflusslosen See. Also muss den jemand wieder rausfischen oder er bleibt dort einfach irgendwo.

Nach einiger Zeit sprachen uns zwei Polizisten an was wir hier denn so machen. So kam es uns jedenfalls vor. Irgendwie hatten die seit Jahren keine Touristen mehr gesehen, oder zumindest nicht so allein unterwegs. Sie meinten noch es sei schon alles in Ordnung und es kam uns dann so vor als wenn wir nun im weiteren von denen und allen anderen die immer irgendwo waren beobachtet wurden, da der eine Typ auch was durch sein Funkgerät durchgab als wir weg waren. Vielleicht wollten die nicht das hier zwei planlose Touris entführt werden oder so. Die Stadt wäre zum chillen vielleicht gar nicht so schlecht und hat auch etwas, aber war trotzdem nicht so richtig was besonderes. Nach einem Besuch im Kaffee mit ordentlichem Gebräu gingen wir zum Bahnhof um und nach einem Zug zu erkundigen.

Da sollte irgendwann später einer fahren und wir gingen noch weiter durch die Stadt und später wieder zurück. Der Zug sollte nicht nach Kairo sondern in Richtung Osten nach El Wasta zum Nil fahren. Wir nahmen im letzten Wagen platz, oder besser standen wir dort, da der Wagen außer einigen Pritschen an der Wand nichts zum Sitzen hatte. Die Plätze waren durch irgendwelche Mädchen besetzt. Insgesamt war das Ding aber fast leer. Es gab auch keine Türen an den Seiten. Eigentlich waren da mal Schiebetüren gewesen und der Wagen war ein normaler Transportwaggon. Alle Wagen des Zuges hatten diese Ausführung. Das war aber gar nicht mal so schlecht, da wir dadurch bisschen aus der Gegend glotzen konnten.

Der Zug fuhr irgendwann mal los und hielt nach 5 Metern wieder an weil noch irgendwoher jemand kam. Das ging dann ca. eine Stunde auf einer Strecke von 300 m so weiter. Irgendwann fuhr er dann mal wirklich los. Allerdings mit einer Geschwindigkeit von ca. 20 kmh Spitze. Nach Fayum ging es in die Wüste und einige alte Dörfer konnten bewundert werden. Die Dörfer hatten so was wie einen Bahnsteig, brauchten den aber irgendwie auch nicht. Insgesamt sah alles recht idyllisch aus. An Kanälen gab es noch uralte Schöpfwerke aus Holz. Irgendwann fuhren wir aber in die richtige Wüste für eine kurze Zeit bis dort eine Bahnstation erschien und der Zug hielt. Einige stiegen aus und ich fragte mich was das jetzt soll. Da war eine Bahnstation besser als alle anderen vorher mitten im Nichts und da steigen auch noch eine Menge Leute um. Wo kamen die her und wo gehen die hin?

Nach einer Weile fuhr der Zug wieder einige Kilometer bis der Zug mitten in der Wüste hielt, aber ohne Bahnstation. Wir sprangen aus dem Wagen und sahen auch warum. Uns kam ein Zug entgegen und musste vorbeigelassen werden, was einige Zeit in Answpruch nahm. Bei der Gelegenheit hatte ich auch zufällig einen Blick auf die Gleise geworfen auf denen irgendwas mit England und 1911 stand. Die Bahnstrecke war nun wirklich nicht die beste, aber das die Gleise noch Original von 1911 waren erstaunte doch einigermaßen. Irgendwie lagen auch ständig Bahnschienen zwischen den Gleisen. Ich hatte das schon am Tag vorher nach Alexandria bemerkt. Keine Ahnung was mit den Schienen passiert, aber es waren fast immer Unmengen davon vorhanden.

Das Eintreffen in El-Wasta bemerkten wir daran, das es schlagartig wieder grüner und bebaut wurde. Die Kurze Strecke hatte eine Ewigkeit gedauert, war aber mal was anderes. Vor El-Wasta verließen uns immer mehr Passagiere indem sie direkt vom fahrenden Zug absprangen. In El-Wasta war der Bahnhof gerade neu gestrichen worden. Jedenfalls stellte er einen deutlichen Kontrast zu den anderen Gebäuden dar. Mittlerweile war es schon wieder fast dunkel geworden und wir wollten weiter nach Kairo zurück. Nach kurzer Zeit kam auch ein Zug. Das war wieder so einer wie vom Vortag. Diesmal waren aber auch hier die Türen offen, wobei der Zug jetzt aber nicht gerade langsam fuhr. In Kairo wollten wir wieder den Bus nehmen.

Das stellte war diesmal schwieriger als vorher, da wir irgendwie in den Berufsverkehr gekommen waren. Jedenfalls schien mir das so. Die Busse waren extrem voll und wir bekamen einen Platz gerade so, dass ich mit einem Fuss an der Treppe Platz hatte. Das gab mir Gelegenheit bisschen aus dem fahrenden Bus zu Fotografieren und zu filmen. während ich mich mit der anderen Hand festhielt. Über die Strasse wanderten Ziegen und alles mögliche andere an Tieren und Gefährten. Irgendwann waren wir wieder im Hotel in Giza und ließen uns an der Bar nieder wo wir für 5€ den Halben zur Erfrischung Bier einließen.


Tag davor…

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